Vor rund zwei Jahrzehnten galt die Prignitz noch als wirtschaftlich abgehängte Region – doch das Bild hat sich nach Einschätzung der Wirtschaftsförderung Brandenburg gründlich gewandelt. Zum 25-jährigen Bestehen zog die landeseigene Gesellschaft eine positive Bilanz. „Die Prignitz ist eine erfolgreiche wirtschaftliche Drehscheibe zwischen Hamburg und Berlin“, sagte Geschäftsführer Steffen Kammradt im Gespräch mit unserer Redaktion. „Wir sehen im Landkreis ein hohes Entwicklungspotenzial.“
Die Mischung macht's
Besonders lobte er die „solide Mischung“ aus Großunternehmen und einem innovativen Mittelstand. „Hier sind totale Spezialkompetenzen“, so der Wirtschaftsförderer. Neben global aufgestellten Unternehmen wie Magnera (vormals Glatfelter) in Falkenhagen oder Austrotherm in Wittenberge prägen mittelständische Unternehmen wie Alu-Me in Karstädt, die CNC-Präzisionsfertigung Ojinski in Rühstädt oder das Maschinenbauunternehmen Wendland in Weisen die lokale Wirtschaftsstruktur.
Zu diesem Erfolg hat die Wirtschaftsförderung Brandenburg (WFBB) nach eigenen Angaben auch selbst spürbar beigetragen. Im Landkreis Prignitz hat sie demnach seit ihrer Gründung im Jahr 2001 insgesamt 262 Unternehmensprojekte mit rund 1400 Arbeitsplätzen und einem Investitionsvolumen von über 398 Millionen Euro begleitet und unterstützt.
Erfolgreiche Ansiedlungen
So habe die WFBB gemeinsam mit der Stadt Wittenberge die MV Pipe Technologies im Jahr 2014 davon überzeugt, sich in der Elbestadt anzusiedeln. Es handle sich um das weltweit größte Rohrvorfertigungswerk zur Produktion von Rohren für die Brandschutzindustrie. „Das hat im Mindset gewirkt“, zeigte sich Kammradt überzeugt.
Auch die 2012 in Wittenberge gegründete Transformare GmbH sei ein wichtiger Partner für die Energiewende. Das Unternehmen erweitert seinen Standort im Gewerbegebiet Nord an der künftigen A14-Anschlussstelle und baut ein zweites Werk. In der neuen Halle sollen künftig Transformationsstationen für elektrischen Strom produziert werden.
Die Sirio Pharma Germany GmbH (vormals Ayanda) in Falkenhagen hat die WFBB nach eigenen Angaben ebenfalls viele Jahre begleitet. Das Unternehmen sei ein führender Spezialist für die Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln. Der Konzern aus China habe vor zwei Jahren eine vollautomatisierte Verpackungslinie an seinem Prignitzer Standort in Betrieb genommen. 35 neue Arbeitsplätze seien dadurch entstanden.
Kluge Politik vor Ort
Dabei lobte Kammradt auch eine „sehr kluge Politik“, die vor Ort gemacht worden sei. Beispielhaft erwähnte er den Bau des Elbeports im Wittenberger Gewerbegebiet Süd. Auch wenn das Konzept am Ende anders ausgefallen sei als ursprünglich geplant: „Damit hat es angefangen, dass sich die Stadt positiv gedreht hat“, so der WFBB-Chef.
Der „Summer of Pioneers“ im Jahr 2019, mit dem Digitalarbeiter aus den Metropolen in Coworking-Spaces an die Elbe geholt wurden, habe auf die Metropolen Eindruck gemacht. „Das konnten die sich wohl gar nicht vorstellen“, lobte Kammradt.
Fachkräfte und Ausblick
Eine große Rolle bei der Fachkräftegewinnung spielten Rückkehrer, die einst aus der Prignitz weggezogen waren. „Aber das wird nicht reichen“, macht der Wirtschaftsförderer deutlich. „Wir werden aktiv um Fachkräfte werben müssen.“ Auch die angespannte Wirtschaftslage ist für den Wirtschaftsförderer kein Grund zur Resignation. Die Prignitz habe sich wirtschaftlich stabilisiert. „Man muss optimistisch bleiben und an der Entwicklung dranbleiben“, betonte er.
Die WFBB mit Sitz in Potsdam wurde im Jahr 2001 zunächst unter dem Namen „ZukunftsAgentur Brandenburg (ZAB)“ gegründet. Die Branchen- und Regionalexperten beraten bei der Ansiedlung von Unternehmen, beim Standortausbau oder bei Technologieentwicklungen sowie der Qualifizierung von Fachkräften. In diesem Jahr erweitert die Gesellschaft ihr Angebot um die Energie- und Klimaagentur Brandenburg.



