IWH erwartet moderates Wachstum in Ostdeutschland trotz schwieriger Rahmenbedingungen
Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hat seine aktuelle Konjunkturprognose für die ostdeutschen Bundesländer vorgelegt und rechnet für das laufende Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent. Diese Prognose liegt leicht über dem erwarteten Bundesschnitt von 0,6 Prozent für Gesamtdeutschland und zeigt eine erstaunliche Resilienz der ostdeutschen Wirtschaft angesichts der aktuellen Herausforderungen.
Energiepreisschock belastet, aber expansive Finanzpolitik stützt
„Der Energiepreisschock wird die Wirtschaft in Ostdeutschland wohl in etwa so stark belasten wie die in Deutschland insgesamt“, erklärt IWH-Vizepräsident Oliver Holtemöller in einer aktuellen Stellungnahme. Der durch den Iran-Krieg ausgelöste Anstieg der Energiepreise dürfte die wirtschaftliche Erholung zwar deutlich dämpfen, sie aber aufgrund des expansiven finanzpolitischen Kurses nicht vollständig zum Erliegen bringen.
Die Experten des renommierten Forschungsinstituts betonen, dass die wirtschaftliche Entwicklung in Ostdeutschland trotz der schwierigen globalen Rahmenbedingungen eine bemerkenswerte Stabilität aufweist. Die expansive Finanzpolitik wirkt hier als wichtiger Stabilisator und verhindert ein stärkeres Abschwächen der Konjunktur.
Arbeitsmarktentwicklung und regionale Unterschiede
Bei der Arbeitslosenquote prognostiziert das IWH für Ostdeutschland einen leichten Anstieg von 7,8 Prozent im Jahr 2025 auf voraussichtlich 7,9 Prozent im laufenden Jahr. Diese Entwicklung spiegelt die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit wider, bleibt aber im Rahmen moderater Schwankungen.
Besonders interessant ist die Entwicklung in bestimmten Wirtschaftsbereichen: Zuletzt habe vor allem die Wertschöpfung im Bereich Handel, Verkehr, Gastgewerbe sowie Information und Kommunikation in Ostdeutschland stärker zugelegt als in Westdeutschland. Diese Sektoren zeigen eine erfreuliche Dynamik und tragen maßgeblich zum insgesamt positiven Wachstumstrend bei.
Langfristige Perspektiven und Herausforderungen
Die IWH-Experten sehen in ihrer Analyse sowohl Chancen als auch Risiken für die ostdeutsche Wirtschaft. Einerseits profitiert die Region von strukturellen Verbesserungen und einer zunehmenden Diversifizierung der Wirtschaftszweige. Andererseits stellen die hohen Energiepreise und die unsichere geopolitische Lage weiterhin erhebliche Belastungsfaktoren dar.
Die Prognose des IWH unterstreicht die Bedeutung einer aktiven Wirtschaftspolitik, die sowohl kurzfristige Stabilisierungsmaßnahmen als auch langfristige Strukturreformen umfasst. Nur durch eine solche kombinierte Strategie kann die Wettbewerbsfähigkeit der ostdeutschen Wirtschaft nachhaltig gestärkt werden.



