Alarm in Schwedt: Russland stoppt Öl-Transit aus Kasachstan
Die PCK-Raffinerie in Schwedt (Brandenburg) steht erneut vor einer Versorgungskrise. Russland hat angekündigt, ab dem 1. Mai die Durchleitung von kasachischem Öl durch die Druschba-Pipeline einzustellen. Dies könnte zu einem erheblichen Einbruch der Treibstoffproduktion führen und die Versorgung von Tankstellen sowie des Hauptstadtflughafens BER gefährden. Neun von zehn Autos in Berlin und Brandenburg werden mit Sprit aus Schwedt betankt.
Bedeutung der Raffinerie für die Region
Die PCK-Raffinerie mit rund 1.200 Beschäftigten versorgt weite Teile Nordostdeutschlands und den Großraum Berlin mit Benzin, Diesel, Kerosin und Bitumen. Seit dem Verzicht auf russisches Öl infolge des Ukraine-Kriegs musste das Werk auf alternative Quellen umstellen. Der Mehrheitseigner Rosneft Deutschland steht unter Treuhandverwaltung des Bundes. Zuletzt lag die Auslastung bei guten 85 bis 90 Prozent.
Hintergründe des Lieferstopps
Moskau begründet den Stopp mit „derzeitigen technischen Möglichkeiten“. Rosneft Deutschland informierte die Bundesnetzagentur über die Anweisung des russischen Energieministeriums. Aus dem Unternehmen in Schwedt ist zu hören, die Raffinerie sei erneut ein „politischer Spielball“ im Ukraine-Konflikt. Die genauen Hintergründe bleiben unklar.
Warum kasachisches Öl unverzichtbar ist
Kasachisches Öl macht rund 20 Prozent der Rohöl-Menge in Schwedt aus. Es ähnelt in seiner Beschaffenheit dem russischen Öl, was die Verarbeitung erleichtert, insbesondere bei der Bitumenherstellung. Ein Wegbrechen wäre laut Betriebsratsvorsitzendem Danny Ruthenburg eine Katastrophe. Bislang flossen monatlich etwa 130.000 Tonnen aus Kasachstan.
Auswirkungen auf Spritpreise und BER
Die Bundesnetzagentur schließt „regionale Preiseffekte“ an den Tankstellen nicht aus. Für den BER sieht Verkehrsminister Robert Crumbach (SPD) jedoch keine akute Gefahr für die Kerosinversorgung. Die Spritpreise sind bereits aufgrund des Iran-Krieges gestiegen.
Die Druschba-Pipeline als zentrale Route
Die Pipeline Druschba („Freundschaft“) verbindet Russland über Tausende Kilometer mit Europa. Trotz des Öl-Embargos wird ein Abschnitt für Lieferungen aus Kasachstan und Tankeröl aus Danzig genutzt. Der Nordstrang pumpt das Öl direkt nach Schwedt.
Lösungsansätze und Ausblick
Die Bundesregierung will mit Polen über höhere Lieferungen aus dem Hafen Danzig verhandeln. Auch die Pipeline Rostock-Schwedt könnte genutzt werden, ist aber bereits ausgelastet. Ein Ausbau liegt auf Eis. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zeigt sich zuversichtlich, die Produktion aufrechterhalten zu können. Rosneft Deutschland arbeitet an Ersatzlieferungen. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) spricht von einem Rückschlag, betont aber: „Wir werden auch dieses Problem in den Griff kriegen.“



