Chaos im Wirtschaftsministerium: Reiche lagert Kernaufgaben an externe Berater aus
Wirtschaftsministerium: Externe Berater für Kernaufgaben

Chaos im Wirtschaftsministerium: Reiche lagert Kernaufgaben an externe Berater aus

Im Bundeswirtschaftsministerium herrscht derzeit ein Zustand der Unordnung und Unsicherheit. Ministerin Katherina Reiche (52, CDU) greift zu einem ungewöhnlichen und kontroversen Mittel: Sie will zentrale Aufgaben der Wirtschaftspolitik an externe Berater auslagern, statt auf den eigenen Ministeriumsapparat zu setzen.

Externe Kräfte für wirtschaftspolitische Kernarbeit

Wie aus einer aktuellen EU-weiten Ausschreibung hervorgeht, sucht das Wirtschaftsministerium unter Reiches Führung externe Unterstützung für die Planung und Umsetzung wirtschaftspolitische Vorhaben. Die Berater sollen direkt für die Hausleitung arbeiten – also für die Ministerin persönlich und ihre engste Führungsebene. Sie werden Analysen erstellen, Diskussionspapiere liefern und bei Schlüsselthemen wie Industrie, Rohstoffen und Zukunftstechnologien mitarbeiten.

Diese Aufgaben gelten eigentlich als Kernarbeit eines Ministeriums und sollten aus dem Haus selbst kommen. Ein Sprecher des Ministeriums erklärte gegenüber dem „Spiegel“, es gebe keinen Zusammenhang mit den offenen Stellen im Haus. Die ausgeschriebenen Leistungen seien keine, „die von Mitarbeitenden des BMWE erbracht werden können“.

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Umfangreiche Beratung mit hohen Kosten

Der Umfang der geplanten externen Unterstützung ist beträchtlich: Pro Jahr sind 9000 Stunden Beratung vorgesehen, die jederzeit abrufbar sein soll. Laut den Ausschreibungsunterlagen sind sogar Einsätze innerhalb weniger Stunden möglich. Das Ministerium baut sich damit praktisch eine externe Mannschaft auf Abruf auf, die bei kurzfristig auftretenden Problemen sofort liefern soll.

Die finanziellen Auswirkungen sind erheblich: Offizielle Preise nennt das Ministerium zwar nicht, doch entsprechende Berater kosten oft mehrere tausend Euro pro Tag. Hochgerechnet auf 9000 Stunden ergibt sich eine klare Größenordnung: Der Auftrag dürfte mindestens gut zwei Millionen Euro pro Jahr kosten – realistisch eher Richtung drei Millionen. Bei voller Laufzeit des Vertrags könnte sich ein Gesamtvolumen von rund zehn Millionen Euro zusammen.

Hintergrund: Unruhe und personelle Probleme

Dieser Schritt kommt nicht aus dem Nichts. Seit Reiches Amtsantritt als Wirtschaftsministerin gibt es immer wieder Unruhe im Haus:

  • Führungskräfte wurden ausgetauscht
  • Wichtige Stellen sind unbesetzt
  • Zuletzt sorgte ein interner Vorgang für Aufsehen: Nach Medienberichten wurden E-Mail-Konten von Mitarbeitern durchsucht, nachdem Gesetzentwürfe nach außen gelangt waren

Offiziell soll die externe Beratung Prozesse verbessern und effizienter gestalten. Doch die detaillierte Ausschreibung zeigt deutlich: Es geht nicht nur um organisatorische Unterstützung, sondern um inhaltliche Arbeit an wirtschaftspolitischen Themen.

Die grundlegende Frage bleibt: Warum braucht ein Bundesministerium externe Hilfe für die Entwicklung und Umsetzung seiner eigenen Wirtschaftspolitik? Dieser Schritt wirft Fragen nach der Handlungsfähigkeit des Ministeriums und der langfristigen Strategie der Ministerin auf.

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