Während die Bundesbürger unter den finanziellen Belastungen ächzen, müssen sich deren Volksvertreter im Bundestag keine Sorgen machen. Die Gehaltserhöhung kommt ganz von alleine. Lautlos und automatisch: Diätenerhöhungen für die Bundestagsabgeordneten sind an die Entwicklung der Nominallöhne in Deutschland gekoppelt. Der Mechanismus ist praktisch, lautlos und funktioniert von ganz alleine: Das Anpassungsverfahren nach dem Abgeordnetengesetz des Deutschen Bundestages sieht vor, dass die Abgeordnetenentschädigung jährlich zum 1. Juli anhand der Entwicklung des Nominallohnindex automatisch angepasst wird. Dies entspricht in diesem Jahr einer Erhöhung der Abgeordnetendiät um 4,2 Prozent. Heißt konkret: Die monatlichen Bezüge würden damit von rund 11.833 Euro um ca. 497 auf 12.330 Euro steigen. Ein sattes Plus – gerade vor dem Hintergrund, dass die Bundesbürger aufgrund von Krisen, Kriegen und Konflikten aktuell finanziell ordentlich belastet werden.
Linke wollen Diätenerhöhung aussetzen
Letzteres hat die Linksfraktion im Bundestag dazu veranlasst, auf die Diätenbremse zu treten. „Vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage des Bundes sowie der allgemeinen sozialen und wirtschaftlichen Lage, insbesondere des zu erwartenden Kaufkraftverlustes für große Teile der Bevölkerung infolge des Iran-Krieges, soll eine Erhöhung der Abgeordnetenentschädigung für das Jahr 2026 nicht vorgenommen werden“, schreibt die Fraktion in einem eigens konzipierten Gesetzentwurf. Der Bundestag könne laut Linksfraktion jederzeit per Gesetz von der Indexierung abweichen und eine Aussetzung des Anpassungsverfahrens für einen bestimmten Zeitraum festlegen. „Es wäre ein überfälliges Zeichen des Anstandes, dem Gesetzentwurf zuzustimmen“, sagten die Fraktionschefs Sören Pellmann und Heidi Reichinnek. Sollte ihre Initiative keinen Erfolg haben, sei „wie auch schon bei der letzten Diätenerhöhung für uns klar, dass wir diese für soziale Projekte spenden“.
CDU-Politiker: Wir stehen in der Pflicht
Dass die enorme Diätenerhöhung auch bei dem einen oder anderen Volksvertreter ein offenbar schlechtes Gewissen erzeugt, zeigt das Beispiel von Wilhelm Gebhard. Der CDU-Bundestagsabgeordnete fordert ebenfalls einen Verzicht auf die geplante Erhöhung der Abgeordnetendiät. Gegenüber der „Bild“ betonte Gebhard: „Die Menschen wissen um die großen Herausforderungen und den Reformdruck in unserem Land. Wenn wir die anstehenden Reformen in Deutschland umsetzen wollen, muss die Politik den ersten Schritt machen.“ Der CDU-Politiker sieht die Politik nun in der Pflicht, mit gutem Beispiel voranzugehen. Die Diskussion um die Diätenerhöhung zeigt einmal mehr die Kluft zwischen den politischen Entscheidungsträgern und der Bevölkerung, die unter den wirtschaftlichen Folgen der globalen Krisen leidet. Während die einen für eine automatische Anpassung plädieren, fordern andere ein Umdenken und mehr Sensibilität für die Situation der Bürger.



