Bundestagsabgeordnete als Schwänzer: Linke überholt AfD bei Fehlzeiten
Wenn im Deutschen Bundestag wichtige Abstimmungen stattfinden, bleiben immer wieder Stühle leer. Eine aktuelle Datenanalyse enthüllt ein besorgniserregendes Bild: Zahlreiche Abgeordnete fehlen regelmäßig bei den Parlamentssitzungen. Dutzende von ihnen verpassen sogar mehr als die Hälfte der Sitzungstage und lassen ihr Mandat zur Nebentätigkeit verkommen. Besonders auffällig ist, dass ausgerechnet die Politiker der Linkspartei am häufigsten schwänzen.
Prominente Abwesenheiten und ihre Gründe
Das prominenteste Beispiel ist Gregor Gysi (78), der neben seinem Mandat weiterhin als Anwalt tätig ist. In den vergangenen zwölf Monaten verpasste Gysi bereits 26 namentliche Abstimmungen. Allein am 13. November 2025 fehlte er bei sieben wichtigen Entscheidungen. Insgesamt blieb er an sieben Sitzungstagen entschuldigt fern. Sein Büro erklärte, dass Termine wie Lesungen oder Vorträge lange im Voraus geplant würden und man von der vorgezogenen Bundestagswahl überrumpelt worden sei.
Dutzende Abgeordnete häuften bis zu 40 entschuldigte Fehltage an – bei lediglich 69 Sitzungstagen im Betrachtungszeitraum. Während in der vergangenen Legislaturperiode noch die AfD am häufigsten fehlte, liegt nun die Linkspartei an der Spitze. Bei namentlichen Abstimmungen fehlte im Durchschnitt beinahe jeder fünfte Linken-Abgeordnete, bei der AfD fast jeder Siebte und bei den Grünen rund jeder Neunte. Die Union und die SPD zeigten sich mit jeweils nur jedem zwanzigsten Abgeordneten deutlich disziplinierter.
Nachvollziehbare und unerklärte Fehlzeiten
Viele Fehlzeiten sind durchaus nachvollziehbar. Die AfD-Abgeordnete Angela Rudzka (42) fehlte an 41 Tagen, davon 32 Tage im Mutterschutz. Auch die Grünen-Politikerinnen Denise Loop (31) und Deborah Düring (31) befanden sich im Mutterschutz. Der Linken-Abgeordnete Marcel Bauer (33) übernahm familiäre Pflichten, während seine Parteikollegin Cansın Köktürk (32) krankheitsbedingt 33 Abstimmungen verpasste. Stella Merendino (32) fehlte sogar 38 Tage nach einem Unfall mit Wirbelsäulenschaden.
Doch es gibt auch unerklärte Abwesenheiten. AfD-Fraktionschefin Alice Weidel (47) fehlte an 17 Sitzungstagen und verpasste 15 Abstimmungen, ohne dass offizielle Gründe genannt wurden. Der absolute Spitzenreiter ist der fraktionslose Abgeordnete Sieghard Knodel (65) mit 44 entschuldigten Fehltagen und nur fünf Teilnahmen an 46 namentlichen Abstimmungen. Gegenüber dem SWR begründete er seine häufige Abwesenheit mit einem Burn-out und erklärte, seine Firma habe so viele Steuern gezahlt, dass er jetzt auch mal etwas zurückbekommen könne.
Rechtlicher Rahmen und finanzielle Konsequenzen
Grundsätzlich gilt im Bundestag eine Präsenzpflicht für die Abgeordneten. Wer eine namentliche Abstimmung versäumt, dem werden 200 Euro von der steuerfreien Kostenpauschale gestrichen. Bei unentschuldigten Fehltagen sind es sogar 300 Euro pro Tag. Die monatliche Kostenpauschale beträgt aktuell 5.467,27 Euro. Das bedeutet: Hätte ein Abgeordneter beispielsweise den gesamten März unentschuldigt gefehlt, hätte er oder sie neun Sitzungstage verpasst und 2.700 Euro weniger erhalten.
Allerdings haben Abgeordnete die Möglichkeit, sich für einen Sitzungstag zu entschuldigen. Diese Regelung wird von vielen Parlamentariern genutzt, um ihre häufigen Abwesenheiten zu rechtfertigen. Die Debatte über die Arbeitsmoral und Verantwortung der Volksvertreter wird durch diese Zahlen neu entfacht.



