Die schwarz-rote Koalition steht unter Druck, doch die Spitzen von CDU und SPD, Friedrich Merz und Lars Klingbeil, arbeiten auffallend geräuschlos zusammen. Regelmäßige Treffen und fast tägliche Telefonate prägen ihr Verhältnis, wie aus ihrem Umfeld zu hören ist. Meinungsverschiedenheiten werden intern ausgetragen, ohne dass sie sofort an die Öffentlichkeit gelangen.
Ein Beispiel für diese vertrauensvolle Zusammenarbeit: Als Merz in einem Gastbeitrag in der Financial Times für die Nutzung russischer Devisenreserven für die Ukraine plädierte und damit eine Position von Olaf Scholz revidierte, war Klingbeil vorab informiert. Umgekehrt hielt der Finanzminister den Kanzler bei der Ausarbeitung des Haushaltsplans auf dem Laufenden.
Besonders bemerkenswert war die Abstimmung im Fall der Einschränkung von Waffenlieferungen an Israel im Sommer. Merz und Klingbeil verständigten sich direkt, bevor die Fraktionen eingeweiht wurden. Selbst Markus Söder war nicht im Bilde, was dessen Missfallen erregte.
Kritik am Gegenüber vermeiden beide bislang. In Hintergrundgesprächen wird kaum gelästert. Merz forderte die Unionsfraktion sogar auf, auf Kritik an Klingbeil zu verzichten, da dieser sensibel reagiere – was in der Fraktion für Erheiterung sorgte, aber ernst gemeint war.
Die Episode um Klingbeils Rede beim IGBCE-Kongress zeigt die Fallstricke: Seine Aussage, dass das Aussehen nicht über das Stadtbild entscheiden solle, wurde als implizite Rassismuskritik an Merz interpretiert. Dabei hatte er zuvor ein Sicherheitsproblem in Innenstädten eingeräumt und davor gewarnt, Äußerungen vorschnell als rechtsextrem zu brandmarken. In Klingbeils Umfeld wird betont, dass es sich nicht um eine Kampfansage handelte.
Die Koalition steht vor der Herausforderung, dass beide Parteispitzen den Erfolg des Bündnisses wollen, aber die Basis möglicherweise nicht. Die Frage bleibt, ob die Parteien die Zusammenarbeit mittragen.



