Euro-Office: Europäische Tech-Allianz startet souveräne Alternative zu Microsoft
Euro-Office: Europäische Alternative zu Microsoft startet

Europäische Tech-Allianz präsentiert souveräne Office-Alternative

In Berlin wurde eine bedeutende Initiative für digitale Unabhängigkeit vorgestellt: Eine breite Allianz europäischer Technologieunternehmen hat mit Euro-Office eine neue, souveräne Alternative zu Microsoft Office ins Leben gerufen. Unter der Federführung der Branchengrößen Ionos und Nextcloud soll diese Lösung europäischen Nutzern eine vollständig kompatible, sichere und einfach zu bedienende Bürosoftware bieten, die frei von Abhängigkeiten von US-Konzernen ist.

Technologische Grundlage und politische Brisanz

Die technologische Basis für Euro-Office bildet die quelloffene Software OnlyOffice, die aus einer Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und einem Präsentationsprogramm besteht und im Browser läuft. Achim Weiß, CEO von Ionos, betonte die Dringlichkeit dieses Projekts: „Angesichts der geopolitischen Entwicklungen benötigt Europa dringend eine zuverlässige, Microsoft-kompatible und souveräne Office-Lösung. Unsere Suite bietet eine vertraute Oberfläche mit allen essenziellen Funktionen.“

Allerdings erwies sich eine Querverbindung von OnlyOffice zu Russland als problematisch. Das Entwicklerunternehmen Ascensio System SIA mit Sitz in Lettland ist eine Tochtergesellschaft eines russischen Unternehmens, was aufgrund der EU-Wirtschaftssanktionen zur Sperrung der kommerziellen Version für europäische Organisationen führte. Durch die Übernahme der Codebasis durch das europäische Konsortium soll dieses Risiko nun vollständig beseitigt werden. Frank Karlitschek, CEO von Nextcloud, erklärte: „Wir haben den Source-Code verifiziert, verbessert und die Sicherheit überprüft, sodass wir jetzt ein solides Produkt haben.“

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Breite Unterstützung und ehrgeizige Ziele

Das Projekt wird von einer breiten Allianz aus ganz Europa getragen, zu der neben Ionos und Nextcloud auch Anbieter wie EuroStack, XWiki, OpenProject, Soverin, Abilian und bTactic gehören. Karlitschek kritisierte dabei die europäische Haltung im digitalen Markt: „Sowohl die USA als auch China setzen staatliche IT-Ausgaben gezielt ein, um ihre Industrie zu stärken. Europa verhält sich hingegen wie ein Zuschauer und investiert Hunderte Milliarden Steuergelder in Systeme, die wir nicht kontrollieren. Euro-Office zeigt, dass die Voraussetzungen für echte Unabhängigkeit längst vorhanden sind.“

Die Initiative zielt darauf ab, eine moderne technische Grundlage ohne Altlasten zu bieten, die im Gegensatz zu Alternativen wie LibreOffice oder OpenOffice als besonders kompatibel mit Microsoft-Formaten gilt. Interessierte Organisationen können die Software bereits testen: Eine Tech-Preview von Euro-Office ist ab sofort verfügbar. Die Veröffentlichung einer ersten stabilen Version ist für den Sommer geplant, die dann auch für die Allgemeinheit nutzbar sein soll.

Ausblick und Bedeutung für die digitale Souveränität

Dieses Projekt unterstreicht die wachsende Bedeutung digitaler Souveränität in Europa. Durch die Bereitstellung einer eigenen, sicheren und kompatiblen Office-Suite will die Allianz nicht nur technologische Unabhängigkeit fördern, sondern auch Innovation vorantreiben. Die breite Branchenunterstützung und der klare Zeitplan signalisieren, dass europäische Unternehmen bereit sind, ihre digitale Infrastruktur selbst in die Hand zu nehmen und damit langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

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