Was für ein Wahnsinns-Abend in Kiel! Der THW dreht ein verloren geglaubtes Duell, holt den Drei-Tore-Rückstand aus dem Hinspiel (30:33) auf und schlägt RK Nexe Nasice im Viertelfinal-Rückspiel der Handball-European-League mit 34:29 im Siebenmeter-Krimi (30:27 nach 60 Minuten). Der deutsche Rekordmeister (23x) steht damit im Final Four am 30. und 31. Mai in Hamburg – und darf weiter vom Titel träumen. Nach einer Saison voller Rückschläge lebt plötzlich wieder die Hoffnung. Kiel kämpft, zittert, leidet – und belohnt sich.
Ausgangslage vor dem Rückspiel
In der Daikin Handball-Bundesliga ist nach dem 30. Spieltag nur Platz fünf drin. Von der Meisterschaft ist der THW meilenweit entfernt. Auch die direkte Qualifikation zur Champions League ist kein Thema mehr. Im DHB-Pokal war im Viertelfinale bei den Füchsen Berlin (30:32) Schluss. Kurios: Der Sieger der European League bekommt ein Ticket für die Champions League. Für Kiel wäre das die Rückkehr in den Traum-Wettbewerb. Aber: Sollten die Füchse die „Königsklasse“ gewinnen und zugleich Liga-Dritter bleiben, würde selbst ein Titel in der European League nicht für die Qualifikation zur Champions League reichen.
Spielverlauf: Von Rückstand zur Führung
Von Beginn an ist klar, was auf dem Spiel steht. Ein Sieg mit drei Toren Unterschied würde direkt ins Siebenmeterwerfen führen. Vier Tore Vorsprung – und Kiel ist durch. Der Druck ist spürbar. Das frühe 0:2 schockt Spieler und Fans. Doch dann dreht der THW auf. Um 21.16 Uhr fällt erstmals die Vier-Tore-Führung – 14:10 (25.). Die Halle bebt. Zur Pause steht es 17:15. Alles offen.
Auf der Tribüne leidet Tim Walter mit, Ex-HSV-Trainer und jetzige Coach von Holstein Kiel in der 2. Fußball-Bundesliga. Beim 25:19 (45.) scheint die Partie entschieden. Doch Nasice kommt zurück. Die Kroaten verkürzen auf 26:29 (56.). Plötzlich wackeln die Gastgeber.
Dramatische Schlussphase
Minute: 30:26 durch Veron Nacinovic. Die Uhr tickt. Dann eine kuriose Szene: Die Gäste greifen an, verlieren den Ball. Er rollt Richtung Toraus – und bleibt liegen. Das Harz am Ball stoppt ihn. Kiel vergibt im Gegenzug. Noch 40 Sekunden. Tin Lucin trifft zum 30:27. Sieben Sekunden bleiben. Kiel nimmt die letzte Auszeit. Ohne Erfolg. Es geht ins Siebenmeterwerfen.
Siebenmeter-Krimi und Einzug ins Final Four
Der THW Kiel gewinnt im Siebenmeter-Krimi und zieht ins Final Four am 30. und 31. Mai in Hamburg ein. Die Mannschaft bewies Nervenstärke und verwandelte alle ihre Siebenmeter, während der gegnerische Torwart zweimal scheiterte. Mit diesem Erfolg lebt der Traum von der Rückkehr in die Champions League weiter. Für den deutschen Rekordmeister ist es nach einer enttäuschenden Saison ein wichtiger Lichtblick.



