Über 124 Ostermärsche bundesweit: Friedensbewegung protestiert gegen Kriege und Aufrüstung
Die deutsche Friedensbewegung mobilisiert am Osterwochenende mit einer beeindruckenden Zahl von über 124 dezentral organisierten Demonstrationen, Kundgebungen und Mahnwachen. Die diesjährigen Ostermärsche stehen ganz im Zeichen der aktuellen internationalen Konflikte und militärischen Entwicklungen.
Proteste unter dem Eindruck multipler Krisen
Die zahlreichen Ostermärsche in diesem Jahr werden maßgeblich von den Kriegen in der Ukraine und im Nahen Osten geprägt. Hinzu kommen für die Friedensaktivisten und Protestler die kontroverse Debatte um die Wiedereinführung der Wehrpflicht sowie die besorgniserregende globale Aufrüstungsspirale. Organisiert werden die Aktionen dezentral von einem breiten Bündnis aus Gewerkschaften, linken und christlichen Gruppen sowie lokalen Friedensinitiativen.
Bundesweit fordern die Aktivisten von der Bundesregierung entschlossene diplomatische Initiativen zur Beendigung dieser Kriege, eine konsequente Stärkung des Völkerrechts und deutlich mehr humanitären Einsatz für die zivilen Opfer der bewaffneten Konflikte. Nach Angaben des Netzwerks Friedenskooperative mit Sitz in Bonn sind am Osterwochenende mehr als 100 Demonstrationen, Kundgebungen und Mahnwachen angekündigt.
Brisanter Auftakt in Nordrhein-Westfalen
In Nordrhein-Westfalen starten die diesjährigen Ostermärsche mit einer besonders symbolträchtigen Demonstration an der Urananreicherungsanlage im münsterländischen Gronau. Dieser Protest im Schulterschluss mit den bundesweiten Ostermärschen der Friedensbewegung für Frieden und Abrüstung soll gezielt auf die militärische Brisanz der Gronauer Urananreicherungsanlage aufmerksam machen.
Die Veranstalter betonen, dass die dort eingesetzte Zentrifugentechnik nicht nur für zivile Zwecke, sondern prinzipiell auch zum Bau von Atomwaffen genutzt werden kann. Bereits am gestrigen Gründonnerstag zogen Teilnehmer einer ersten Kundgebung anlässlich der Ostermärsche durch Jena in Thüringen, was den Auftakt der mehrtägigen Protestaktionen markierte.
Bundesweite Präsenz von Schleswig-Holstein bis Baden-Württemberg
Weitere Ostermarsch-Aktionen am Karfreitag sind in Gütersloh (Nordrhein-Westfalen), Chemnitz (Sachsen), Jagel (Schleswig-Holstein), Bruchköbel (Hessen) und Biberach (Baden-Württemberg) angemeldet. Bundesweit sind nach einer aktuellen Auflistung des Netzwerks Friedenskooperative bis Montag mindestens 124 dezentral organisierte Demonstrationen, Kundgebungen, Fahrradtouren und sonstige Ostermarsch-Aktionen geplant.
In Niedersachsen und Bremen sind Protestaktionen in fast einem Dutzend Orten vorgesehen, darunter Hannover, Bremen, Braunschweig, Göttingen und dem Örtchen Unterlüß nördlich von Celle, wo sich eine bedeutende Fabrik des Rüstungskonzerns Rheinmetall befindet. Weitere Ostermärsche und Kundgebungen finden unter anderem in Kassel, Fulda, Gießen und Wiesbaden (Hessen), Kaisersautern (Rheinland-Pfalz), Duisburg, Düren, Wuppertal, Bonn, Bielefeld, Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen), Flensburg und Kiel (Schleswig-Holstein), Freiburg und Mannheim (Baden-Württemberg), Magdeburg und Stendal (Sachsen-Anhalt), Königs Wusterhausen, Brandenburg an der Havel und Frankfurt/Oder (Brandenburg) statt.
Höhepunkt am Karsamstag mit brisanten Berlin-Demonstrationen
Am Karsamstag, dem traditionellen Hauptprotesttag der Ostermärsche, findet auch eine der drei großen Veranstaltungen in Berlin statt. Am Wittenbergplatz werden zwischen 14 und 18.30 Uhr rund 1000 Teilnehmer zu der Demonstration „Freiheit für Iran, Botschafter raus“ erwartet. Am Ostersonntag werden in der Hauptstadt erneut 1000 Demonstranten erwartet, die ab 14.30 Uhr am Washingtonplatz gegen die US-israelische Aggression protestieren wollen.
Besondere Brisanz birgt die Demonstration „Machetenangriff auf antifaschistische Jugendliche. Friedrichshain bleibt antifaschistisch“ im Berliner Stadtteil Friedrichshain. Hier werden ab 16 Uhr etwa 300 Teilnehmer erwartet. Auch in den weiteren Großstädten München, Hamburg, Dresden und Stuttgart finden bedeutende Veranstaltungen am gesamten Osterwochenende statt, was die bundesweite Reichweite der Friedensbewegung unterstreicht.
Die über 124 geplanten Aktionen demonstrieren eindrucksvoll die anhaltende Mobilisierungsfähigkeit der deutschen Friedensbewegung, die trotz unterschiedlicher regionaler Schwerpunkte in ihrer Forderung nach diplomatischen Lösungen, Abrüstung und Friedenssicherung geeint ist.



