Berliner Jugendzentrum-Skandal: Muslimische Täter angeblich vor Polizei geschützt
In Berlin-Neukölln bestätigt sich nun ein schwerwiegender Verdacht im Zusammenhang mit sexuellen Übergriffen in einem Jugendzentrum. Laut einer eidesstattlichen Versicherung, die Mitarbeiterinnen der benachbarten Einrichtung MaDonna abgegeben haben, wurden mutmaßliche Vergewaltiger und Sex-Straftäter von Amts wegen nicht angezeigt. Der Grund: „Muslimische Jungen seien bereits genug im Visier der Polizei“. Dieses Dokument liegt mittlerweile auch dem Berliner Senat und Bezirkspolitikern vor.
Schwere Vorwürfe und Vertuschungsvorwürfe
Das Jugendzentrum Wutzkyallee wurde nach Bekanntwerden der mutmaßlichen Vergewaltigung und weiterer sexueller Übergriffe geschlossen. Eine 16-jährige Schülerin war zunächst von einem Jungen vergewaltigt worden. Monate später wurde sie von acht weiteren Besuchern in einem abgelegenen Raum des Jugendzentrums am ganzen Körper bedrängt. Die Mitarbeiterinnen von MaDonna drängten die Verantwortlichen des Jugendzentrums wiederholt zur Anzeige bei der Polizei – offenbar ohne Erfolg.
Die Tätergruppe filmte die Straftaten und erpresste das Opfer regelmäßig mit den Videos. Zudem versuchten sie, die jüngere Schwester des Opfers zu Treffen zu bewegen. Diese erschütternden Details sind Teil der eidesstattlichen Erklärung, über die auch der „Tagesspiegel“ berichtete.
Politische Reaktionen und Abwahl-Antrag
Sarah Nagel (40), die zuständige Jugendstadträtin der Linken, hatte nach ersten Berichten beteuert: „Mit heutigem Stand möchte ich klarstellen: Es gab keinerlei Versuch, die Vorwürfe zu vertuschen.“ Sie erklärte außerdem, der Hintergrund der Täter habe zu keinem Zeitpunkt eine Rolle gespielt. Doch die Neuköllner CDU brachte nun einen Abwahlantrag gegen die Politikerin ein.
Im Neuköllner Bezirksparlament wird am Mittwoch über diesen Antrag abgestimmt, der mit Dringlichkeit behandelt werden soll. Wenn SPD und Grüne zustimmen, könnte eine Abstimmung noch im April erfolgen. Markus Oegel (62), Fraktionschef der CDU, argumentiert: „Um den Aufklärungsdruck zu erhöhen und auf die gravierenden Verfehlungen zu reagieren, muss die Versammlung jetzt Konsequenzen fordern.“
Nagel wusste seit über drei Wochen von der Tat und der folgenden Untätigkeit ihrer Jugendamtsleitung, ohne Konsequenzen zu ziehen. Auch der Forderung des Senats, die Jugendamtsleiterin während der Ermittlungen vom Amt freizustellen, wurde nicht entsprochen. Als Begründung wurden hohe Hürden vor disziplinarischen Verfahren genannt.
Weitreichende Folgen und öffentliche Debatte
Der Fall hat eine breite öffentliche Debatte über den Umgang mit sexualisierter Gewalt und möglicher institutioneller Diskriminierung ausgelöst. Die Vorwürfe der Vertuschung und die angebliche Rücksichtnahme auf die religiöse Zugehörigkeit der Täter werfen schwerwiegende Fragen auf. Die eidesstattliche Versicherung der MaDonna-Mitarbeiterinnen stellt ein zentrales Beweismittel dar, das den Druck auf die Verantwortlichen erhöht.
Die Schließung des Jugendzentrums Wutzkyallee ist nur eine erste Maßnahme. Nun stehen politische Konsequenzen und eine gründliche Aufklärung der Vorfälle im Fokus. Die Berliner Bezirkspolitik muss sich mit den Vorwürfen auseinandersetzen und sicherstellen, dass solche Vorkommnisse in Zukunft verhindert werden.



