Experte warnt vor islamistischen Tendenzen bei Syrer-Feiern in Berlin
Der deutsche Islamismus-Experte Ahmad Mansour hat die überwältigende Unterstützung syrischer Demonstranten für ihren Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa während dessen Berlin-Besuchs als problematisch eingestuft. Tausende Syrer feierten den 43-jährigen Politiker in der deutschen Hauptstadt und skandierten dabei auch den arabischen Ruf "Allahu Akbar" (Gott ist groß).
Kritik am Umgang mit Minderheiten
Im Podcast von BILD-Vize Paul Ronzheimer übte Mansour scharfe Kritik am Umgang der neuen syrischen Führung mit religiösen Minderheiten. "Die Bilder, die man in den Medien gesehen hat, sind ähnlich zu dem, was wir aus dem Assad-Regime kennen", sagte der Experte. "Es geht nicht nur um Unterdrückung oder um militärische Ziele, sondern es geht um Erniedrigung von Menschen." Mansour verwies dabei insbesondere auf die Behandlung von Christen, Kurden und Drusen unter der Herrschaft al-Scharaas.
Der Experte betonte, dass die Wandlung des ehemaligen islamistischen Terroristen zum modernen Staatsmann noch nicht abgeschlossen sei. "Wir sehen sehr ähnliche Bilder, aber jetzt im neuen Gewand. Vorher war es das säkulare Assad-Regime und heute passiert all das genauso wie vorher, aber unter islamistischem Banner."
Gemischte Motive unter den Demonstranten
Mansour zeigte jedoch Verständnis für die Freude vieler Syrer über den Sturz des langjährigen Diktators Baschar al-Assad. Der 60-jährige hatte in einem blutigen Bürgerkrieg hunderttausende Landsleute getötet, bevor seine Herrschaft im Dezember 2024 endete. "Viele freuen sich schlicht darüber, dass der langjährige Diktator gestürzt wurde", erklärte Mansour. Der neue Übergangspräsident sei nun mal das Gesicht des Assad-Sturzes und löse deshalb verständliche Freude aus.
Doch der Extremismus-Experte warnte gleichzeitig, dass unter den feiernden Syrern auch solche seien, die al-Scharaas islamistischen Kurs aktiv unterstützen. "Bei den Leuten, die auf der Straße waren, gab es Leute, die die islamistische Haltung gefeiert haben – und andere, die einfach froh sind, dass endlich Assad weg ist."
Radikale Tendenzen in der syrischen Community
Mansour wies auf besorgniserregende Entwicklungen innerhalb der syrischen Gemeinschaft in Deutschland hin. "In der syrischen Community gibt es auch radikale Kräfte", so der Experte. Manche seien noch extremer als der islamistische Präsident selbst. Als Beispiel nannte er Interviews, in denen syrische Influencer Passanten fragten, ob sie zum Weihnachtsmarkt gehen würden. Einige Fußgänger syrischer Herkunft hätten geantwortet: "Na ja, das sind die Ungläubigen, ich werde nie auf so einen Ort gehen."
"Das ist schon ein Zeichen für radikale Tendenzen und Gedankengut, das diese Leute haben", kommentierte Mansour diese Aussagen. Mit dem "Allahu Akbar"-Ruf könne man zwar einfach nur Freude ausdrücken, aber auch Menschen abschlachten – diese Ambivalenz mache die Situation besonders heikel.
Kritik an deutscher Politik
Besonders problematisch findet Mansour den freundlichen Empfang, den Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dem syrischen Übergangspräsidenten bereitet haben. Dies signalisiere den Syrern, dass al-Scharaa in Berlin ein gern und unkritisch gesehener Gast sei.
"Das ist ein Tabubruch, vor allem, weil ich diese kritische Auseinandersetzung vermisst habe", kritisierte der Experte. "Ich hätte diesen Besuch gemacht, aber ich hätte keine Bilder nach außen produziert. Und vor allem, wenn da Bilder entstanden sind, hätte ich darauf bestanden, dass da kritische Statements sehr deutlich gemacht werden." Mansour forderte eine differenziertere Herangehensweise der deutschen Politik im Umgang mit dem neuen syrischen Regime.



