Bundesanwaltschaft lässt mutmaßlichen Russland-Spion in Hagen festnehmen
Im Zusammenhang mit dem anhaltenden Krieg in der Ukraine hat die Bundesanwaltschaft einen weiteren mutmaßlichen Spion für Russland in Gewahrsam nehmen lassen. Ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs erließ am Samstag Haftbefehl gegen den 53-jährigen Ukrainer, wie die oberste deutsche Anklagebehörde in Karlsruhe mitteilte. Der Mann befindet sich nun in Untersuchungshaft.
Vorwurf: Geheimdienstliche Tätigkeit für Russland
Die Bundesanwaltschaft wirft dem Festgenommenen vor, im Auftrag eines russischen Geheimdienstes aktiv gewesen zu sein. Konkret soll er Informationen über einen Mann gesammelt haben, der sich in Deutschland aufhält. Dieser Mann habe sich nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine an Kampfhandlungen für die ukrainischen Streitkräfte beteiligt.
„Die Ausspähaktion diente vermutlich auch der Vorbereitung weiterer geheimdienstlicher Operationen gegen die Zielperson in Deutschland“, erklärte die Bundesanwaltschaft. Der Beschuldigte sei bereits am Freitag in Hagen vorläufig festgenommen worden. Mit den polizeilichen Ermittlungen wurde das örtliche Polizeipräsidium beauftragt.
Kein Zusammenhang zu früheren Festnahmen
Es handelt sich nicht um den ersten derartigen Fall in jüngster Zeit. Erst vor einer Woche hatte die Bundesanwaltschaft in Rheine in Nordrhein-Westfalen eine 45-jährige Rumänin und im spanischen Elda einen 43-jährigen Ukrainer festnehmen lassen. Auch sie sollen im Auftrag eines russischen Geheimdienstes einen Mann in Deutschland ausspioniert haben, der Drohnen und entsprechende Bauteile in die Ukraine liefert.
Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft betonte jedoch, dass es keinen Zusammenhang zwischen diesen Festnahmen und dem aktuellen Fall gibt. Die Ermittlungen laufen jeweils separat.
Verschärfte Bedrohungslage durch russische Spionage
Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine hat sich die Bedrohung durch russische Spionage, Sabotage und Desinformation nach Einschätzung des Bundesamts für Verfassungsschutz deutlich verschärft. Die nachrichtendienstliche Bedrohungslage durch Russland wird demnach von einer Mischung aus staatlichen, staatlich gesteuerten sowie privaten Akteuren geprägt.
Laut Verfassungsschutz wird zudem eine besorgniserregende Strategie russischer Akteure beobachtet: Für Spionage- oder Sabotageaktionen werden gezielt Menschen aus dem kleinkriminellen Milieu angeworben, die gegen Bezahlung Aufträge übernehmen. Hintergrund dieser Entwicklung ist nach Einschätzung deutscher Sicherheitsbehörden, dass klassische Geheimdienstoperationen mit professionellen Spionen durch Sanktionen und die erhöhte Wachsamkeit westlicher Dienste erheblich schwieriger geworden sind.
Die Festnahme in Hagen unterstreicht somit die anhaltende Aktivität russischer Geheimdienste in Deutschland und die kontinuierlichen Bemühungen der deutschen Strafverfolgungsbehörden, dieser Bedrohung entgegenzuwirken.



