Im Hamburger Block-Prozess hat einer der mutmaßlichen Entführer von einer angeblichen Drohung berichtet. Der 35-jährige Zeuge sagte am 47. Verhandlungstag vor dem Landgericht aus, dass er im Sommer 2025 in Israel einen Anruf von einer engen Mitarbeiterin des Chefs der israelischen Sicherheitsfirma erhalten habe. Diese Firma soll für die Tat verantwortlich sein. Der Zeuge empfand das Gespräch als Drohung: „Das war schon eine Drohung“, ließ er laut Übersetzung verlauten.
Hintergrund der Aussage
Die Frau, die sich während ihrer Zeit in Hamburg „Olga“ nannte, habe erfahren, dass der Zeuge bei den Ermittlern in Deutschland über die Ereignisse in der Silvesternacht 2023/24 aussagen wolle. Sie habe ihm geraten, dies besser zu unterlassen. Daraufhin löschte der Mann auf Anraten seines Anwalts die gesamte Chatgruppe mit den Teammitgliedern von seinem Handy. Der Zeuge gab an, bei der Rückholaktion eines der Autos gesteuert zu haben.
Der Fall Christina Block
Die Hamburger Unternehmerin Christina Block ist angeklagt, nach einem langen Sorgerechtsstreit die israelische Sicherheitsfirma beauftragt zu haben, ihre beiden jüngsten Kinder – damals 10 und 13 Jahre alt – in der Silvesternacht 2023/24 vom Wohnort ihres Ex-Manns Stephan Hensel in Dänemark nach Deutschland zu entführen. Die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette „Block House“, Eugen Block, bestreitet die Vorwürfe. Neben ihr gibt es sechs weitere Angeklagte.
Sicheres Geleit für Zeugen
Der mutmaßliche Fahrer, der im Herbst 2025 bei den deutschen Ermittlern aussagte, und drei andere Beschuldigte aus Israel hatten sich mitten im laufenden Prozess gemeldet. Die Justiz gewährte ihnen für ihre Zeugenaussage sicheres Geleit. Darunter waren auch der Chef der israelischen Sicherheitsfirma und „Olga“. Die vier müssen zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls mit einer Anklage und einem Prozess rechnen.
Details aus der Vernehmung
Es war bereits der zweite Prozesstag, an dem der Israeli aussagte. Das Fragerecht lag bei den Verteidigern. Am ersten Prozesstag hatte der Zeuge geschildert, er habe nur helfen wollen, da der Chef der Sicherheitsfirma ihm berichtet habe, dass die Kinder angeblich beim Vater misshandelt würden und die Rückholung legal sei. Heute sehe er die Aktion anders: „Es war ein großer Fehler.“
Auf Nachfrage erklärte der Zeuge, warum er dem Chef der Sicherheitsfirma geglaubt habe. Der Mann sei beim Geheimdienst Mossad gewesen, sagte er. „Er ist eine berühmte Person in Israel.“ Er selbst habe ihn aber erst Mitte Dezember 2023 kennengelernt. Zudem berichtete der Zeuge von einem angeblichen Treffen mit Christina Block kurz vor Silvester. Sie habe ihnen im Hotel Grand Elysée einen Schal und Spielzeug der Kinder für die Rückholung mitgegeben. Blocks Verteidigung hatte in der Vergangenheit mehrfach betont, dass es ein solches Treffen am 28. Dezember nie gegeben habe.



