Im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow mehren sich die belastenden Indizien gegen die Angeklagte Gina H. (30). Die Frau, die zeitweise wie eine Stiefmutter für das Kind war, steht unter dringendem Tatverdacht. Doch Fabians Vater Matthias R. hält unbeirrt zu ihr – und sorgt damit für zunehmende Verzweiflung bei Gericht und Staatsanwaltschaft.
Richter appelliert an Fabians Vater
Der Vorsitzende Richter Holger Schütt wandte sich eindringlich an Matthias R.: „Helfen Sie doch! Helfen Sie doch einfach! Ich flehe Sie fast an. Das ist Ihr Sohn, nicht meiner.“ Auch der Oberstaatsanwalt Harald Nowack zeigte sich sichtlich genervt und fragte: „Haben Sie Angst davor, die Wahrheit zu erfahren?“ Der Vater des getöteten Jungen erklärte hingegen: „Ich glaub’ an ihre Unschuld.“
Vater und Angeklagte wieder ein Paar
Matthias R. und Gina H. waren rund vier Jahre ein Paar, bis zur vorläufigen Trennung im August 2025. Während Gina H. bereits in Untersuchungshaft saß, kamen sie wieder zusammen. Trotz aller Indizien scheint Matthias R. die Angeklagte zu schützen. Die Frage, warum er das tut, bleibt im Raum stehen.
Die drängendsten Fragen im Fall Fabian
Am Dienstag wurden vor dem Landgericht Rostock zahlreiche Ungereimtheiten verhandelt. So fuhr die Angeklagte am Tag von Fabians Verschwinden nach Güstrow. Laut Matthias R. habe sie ihm erzählt, sie müsse dort Bankgeschäfte für ihre Großeltern erledigen. Nach nur neun Minuten verließ sie den Ort jedoch wieder – angeblich, weil sie die Karten vergessen hatte. Auf die Frage, warum die Überwachungskamera ihr Auto nicht noch einmal aufgezeichnet habe, antwortete der Vater: „Das hab’ ich sie nicht gefragt.“
Weiterhin ging Gina H. am Tattag um 11.19 Uhr im Wald bei Lohmen mit ihrem Hund spazieren – nur 1600 Meter Luftlinie von dem Tümpel entfernt, an dem Fabian starb. Matthias R. gab an, davon nichts gewusst zu haben. Zudem googelte die Angeklagte nach Polizeimeldungen und Vermisstenanzeigen, obwohl sie angeblich noch nichts von Fabians Verschwinden wusste. Der Vater erklärte, Ginas Opa habe von einem Unfall gehört und sie solle für ihn nachschauen. Auch die Suche nach „fressen Wildschweine tote Menschen“ konnte sie im Gefängnis nur mit einem angeblichen Hackerangriff erklären.
Vater äußerte sich widersprüchlich
In einem Polizeiprotokoll vom 14. Oktober heißt es, Matthias R. habe damals gesagt, „dass er seiner Ex-Freundin alles zutrauen würde, dass Gina H. von Eifersucht getrieben sei und die Trennung von ihm nicht verkraften würde.“ Vor Gericht bestritt der Vater diese Aussage: „An so ein Gespräch kann ich mich nicht erinnern.“ Auf die Frage nach handfesten Beweisen nannte er Fingerabdrücke, Reifenspuren und Blutspuren. Als der Richter Fußspuren ergänzte, antwortete Matthias R.: „Ja. Also, kommt drauf an. Wenn sie ihn da gefunden hat …“
Staatsanwaltschaft erwägt Ermittlungen gegen Vater
Oberstaatsanwalt Harald Nowack wurde deutlich: „Herr R., bisher haben wir immer noch die Frage: Ist das vorsätzlich oder ist das nicht vorsätzlich, was bei Ihnen hier so eigenartig rüberkommt. Wenn das vorsätzlich ist, müssen wir Ermittlungen einleiten.“ Damit deutet sich an, dass auch das Verhalten des Vaters auf den Prüfstand kommen könnte. Bislang bleibt unklar, ob Matthias R. bewusst die Aufklärung behindert oder ob er tatsächlich von der Unschuld seiner Freundin überzeugt ist.
Der Prozess wird fortgesetzt. Fabians Mutter Dorina L. verfolgt die Verhandlung im Gerichtssaal – direkt gegenüber der Frau, die ihren Sohn getötet haben soll.



