Politisch motivierter Angriff auf Neubrandenburger Stadtvertreter in Hochschul-Mensa
Der Neubrandenburger Stadtvertreter Tim Großmüller ist am Dienstag in der Mensa der Hochschule Neubrandenburg zum Ziel eines offenbar politisch motivierten Angriffs geworden. Nach eigenen Angaben wurde er von zwei Unbekannten bespuckt, beleidigt und körperlich attackiert. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen, nachdem Großmüller Anzeige erstattet hatte.
Gewalttätige Auseinandersetzung mit politischer Begründung
Laut dem Kommunalpolitiker seien eine Frau und ein Mann, beide Anfang bis Mitte zwanzig, an seinem Tisch vorbeigegangen und hätten dabei auf das Essen sowie auf seinen Geschäftspartner gespuckt. Dieser habe Speisereste direkt ins Gesicht bekommen. Als Großmüller eine der Personen an der Tasche festhielt, sei er mit dem Ellenbogen gewürgt und gegen eine Wand gestoßen worden.
Die Angreifer hätten gegenüber anwesenden Zeugen ihren Angriff damit begründet, dass Großmüller ein „Nazipolitiker“ sei und Gewalt gegen ihn daher legitim. Wer mit ihm verkehre, gelte automatisch ebenfalls als Nazi. Diese Äußerungen erfolgten vor mehreren Zeugen, die der Polizei ihre Kontaktdaten hinterließen.
Politische Kontroversen als Hintergrund
Die Äußerungen der Angreifer legen einen politisch motivierten Hintergrund nahe. Tim Großmüller war als Initiator des Beschlusses der Neubrandenburger Stadtvertretung, dass vor dem Bahnhof keine Regenbogenfahne mehr gehisst werden solle, bundesweit in den Fokus geraten und hatte scharfe Kritik auf sich gezogen.
Zudem hatten Polizei und Staatsanwaltschaft vor zwei Jahren Ermittlungen gegen ihn eingeleitet, weil er im Internet volksverhetzende und beleidigende Äußerungen gegenüber dem damaligen Neubrandenburger Oberbürgermeister sowie generell homophobe Bemerkungen getätigt haben soll. Bisher kam es zu keiner Anklage in diesem Verfahren.
Polizeiliche Ermittlungen und Reaktionen der Verantwortlichen
Die Polizei bestätigt, dass vier Personen am Vorfall beteiligt gewesen sein sollen. „In der Folge ermitteln wir nun gegen eine 22-jährige Frau und einen 26-jährigen Mann wegen des Verdachts der Beleidigung. Außerdem wird gegen einen 32-jährigen Mann wegen des Verdachts der Bedrohung ermittelt“, informieren die Beamten.
Großmüller hat nach dem Vorfall Anzeige erstattet – wegen Körperverletzung, Beleidigung und übler Nachrede. Er wolle zunächst das Ergebnis der Ermittlungen abwarten, überlege aber, einen Anwalt einzuschalten. Der Kommunalpolitiker betonte, er lasse sich durch den Angriff nicht einschüchtern und habe am Tag danach die Mensa erneut aufgesucht.
Hochschulleitung und Stadtverwaltung verurteilen Gewalt
Hochschulrektor Gerd Teschke war noch während des Vorfalls vor Ort. Er sei von Mitarbeitern informiert worden und zur Deeskalation in die Mensa gegangen. Teschke betonte, beide Parteien seien hochschulexterne Personen gewesen. Mögliche Konsequenzen für den beteiligten Studenten seien erst nach Abschluss des polizeilichen Verfahrens zu prüfen.
Stadtpräsident Thomas Gesswein (CDU) äußerte sich bereits in einer deutlichen Erklärung: „Tätliche Angriffe und Beleidigungen gegen demokratisch gewählte Vertreter, gleich welcher politischen Meinung, Ausrichtung oder Partei, sind durch nichts zu rechtfertigen und nicht tolerierbar“.
Auch die Neubrandenburger Stadtverwaltung bezieht Stellung: In einer Erklärung heißt es, man verurteile „jede Form von Gewalt – unabhängig davon, gegen wen sie sich richtet – auf das Schärfste“. Gewalt dürfe kein Mittel der Auseinandersetzung sein. Ein respektvoller und sachlicher, auch kontroverser Meinungsaustausch sei wesentlicher Bestandteil des gesellschaftlichen Miteinanders – jedoch stets im Rahmen eines gewaltfreien Umgangs.



