Koalition drängt auf Reformen nach chaotischem Winter in Berlin
In den vergangenen Wochen hat der Winterdienst in Berlin erhebliche Mängel offenbart, mit spiegelglatten Gehwegen und zahlreichen Unfällen. Die Regierungskoalition aus CDU und SPD sieht dringenden Handlungsbedarf und hat einen gemeinsamen Antrag für eine grundlegende Evaluation eingebracht. Ziel ist es, die bisherigen Regelungen zu überprüfen und Verbesserungen für kommende Winter zu erreichen.
Forderungen nach einheitlichen Standards und strengeren Maßnahmen
CDU-Fraktionsvorsitzender Dirk Stettner betont: „Wir kümmern uns um Verbesserungen beim Winterdienst, insbesondere auf den Fußwegen.“ Der Antrag zielt darauf ab, den Senat zu einer umfassenden Bewertung bis zum 1. Juni zu verpflichten. SPD-Fraktionschef Raed Saleh ergänzt: „Berlin darf nicht von einer Krise in die nächste schlittern. Deshalb bleiben wir nicht bei Sofortmaßnahmen stehen, sondern haben die Regierung mit einer grundsätzlichen Reform beauftragt.“
Im Detail fordern die Koalitionsparteien:
- Eine detaillierte Übersicht zu Glatteisunfällen und Bußgeldern der letzten fünf Jahre.
- Eine Auswertung der Einsätze von Feuerwehr, Rettungsdiensten und Krankenhäusern.
- Die Entwicklung eines Konzepts für einen qualifizierten Winterdienst nach einheitlichen Standards.
SPD plädiert für radikalere Änderungen gegen den Flickenteppich
Innerhalb der SPD-Fraktion gibt es Sympathien für weitreichendere Reformen. Bisher herrscht ein Flickenteppich bei der Räumpflicht, mit wechselnden Zuständigkeiten alle 50 Meter und oft unklaren Verantwortlichkeiten. Die Sozialdemokraten befürworten eine stärkere Rolle der Berliner Stadtreinigung (BSR) und ein System nach dem Vorbild der Kehrbezirke, ähnlich den Bezirksschornsteinfegern.
SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach erklärt: „Wenn die Zuständigkeiten in der Theorie klar sind, in der Praxis aber Chaos herrscht, muss man das System neu aufstellen.“ Er kritisiert, dass der Winterdienst auf Gehwegen nicht gut funktioniere und eine zentrale Koordination durch die BSR sinnvoll wäre.
Mehr Kontrollen und Bußgelder zur Durchsetzung der Räumpflicht
Um die Einhaltung der Räumpflicht zu gewährleisten, sollen Kontrollen und Bußgelder erheblich verstärkt werden. Der Senat wird aufgefordert, Gesetzesänderungen zu prüfen und entsprechende Entwürfe vorzulegen. Zudem soll evaluiert werden, ob die BSR personell und technisch in der Lage ist, zusätzliche Unterstützung auf öffentlichen Flächen zu leisten.
Die Koalition betont, dass trotz der Dringlichkeit eine grundsätzliche Neuorganisation noch nicht absehbar ist, aber erste Schritte mit diesem Antrag eingeleitet werden. Die Evaluation soll als Grundlage für künftige Reformmaßnahmen dienen, um Sicherheit und Ordnung auf Berlins Gehwegen zu verbessern.



