Güstrow beschließt Doppelhaushalt mit historischer Kreditaufnahme
Im Bürgerhaus Güstrow herrschte am Mittwochabend eine entschlossene Stimmung, als die 18 Stadtvertreter einstimmig den Doppelhaushalt für die Jahre 2026 und 2027 verabschiedeten. Die etwa zweistündige Diskussion verlief moderat, doch hinter den Zahlen verbirgt sich eine bedeutende Wende: Erstmals seit vielen Jahren muss die Stadt einen Kredit in Höhe von 27 Millionen Euro aufnehmen, um notwendige Investitionen tätigen zu können.
Ausgeglichener Haushalt, aber liquide Mittel fehlen
Bürgermeister Sascha Zimmermann erläuterte die paradoxe Situation: „Buchhalterisch ist Geld verfügbar. Wir dürfen es aber nicht in die dringend nötigen Investitionen stecken.“ Die liquiden Mittel reichen nicht aus, und die Stadt zehrt bereits von ihren Rücklagen. Die von der Kommunalaufsicht genehmigte Kreditaufnahme führt zu einer deutlich erhöhten Pro-Kopf-Verschuldung von 762 Euro, was jedoch im Durchschnitt von Mecklenburg-Vorpommern liegt.
SPD-Fraktionschef Hans-Georg Kleinschmidt äußerte Bauchschmerzen: „Wir zahlen jetzt die unfinanzierten Baustellen der Jahre 2022 bis 2024 mit einem gigantischen Kredit.“ CDU-Chef Torsten Renz verteidigte den Schritt und verwies darauf, dass Städte wie Wismar und Schwerin ähnliche Wege gehen müssen.
Investitionen in die Zukunft der Stadt
Die Vorsitzende des Finanzausschusses, Hanni Böttcher (CDU), hielt ein leidenschaftliches Plädoyer für den Haushaltsplan, den sie als „gut strukturiert und transparent“ bezeichnete. Sie betonte, dass die Investitionen sinnvoll angelegt sind:
- Sanierung und Ausbau von Schulen wie der Wossidlo- und der Inselseeschule
- Modernisierung von Kindereinrichtungen und Spielplätzen
- Ausbau der Feuerwehr mit einem neuen Gerätehaus für den Brandschutz
- Innenstadtbelebung und Erschließung neuer Wohngebiete
- Ungekürzte freiwillige Leistungen für Jugendarbeit, Kultur und Tourismus
Böttcher appellierte daran, im Haushalt nicht nur ein Zahlenwerk zu sehen: „Hinter jeder Zahl stehen Einwohner, die uns vertrauen: ob Kinder, Senioren oder Jugendliche.“
Weitere Beschlüsse und zukünftige Herausforderungen
Einstimmig beschlossen wurde auch der Verzicht auf Sondernutzungsgebühren für Aufsteller und Außengastronomie, um gewerbliche Unternehmen zu entlasten. Zudem soll extern Geld für die Prüfung der Jahresabschlüsse 2022 bis 2025 bereitgestellt werden, um mehr Transparenz zu gewährleisten.
Bis zum Jahresende plant die Stadt, ein Personalentwicklungskonzept als Bedarfsanalyse für die nächsten vier Jahre zu erarbeiten. Torsten Renz wies darauf hin, dass vor zwei Jahren mehr als 20 neue Stellen geschaffen wurden, und kritisierte den allgemeinen Stellenaufwuchs in der Verwaltung: „Überall in MV herrscht Stellenaufwuchs, so als gäbe es nichts anderes als den öffentlichen Dienst.“
Der Doppelhaushalt markiert einen Wendepunkt für Güstrow, der zeigt, wie Kommunen trotz finanzieller Herausforderungen in ihre Zukunft investieren müssen.



