Schulneubau in Löcknitz: Finanzielle Schieflage bedroht Bildungsprojekt
In der Gemeinde Löcknitz herrscht akute Alarmstimmung. Der Neubau der Regionalen Schule, der ursprünglich als Prestigeprojekt geplant war, droht finanziell zu scheitern. Die Baukosten sind von geplanten 14,5 Millionen Euro auf über 16,3 Millionen Euro explodiert, was eine Förderlücke von 4,6 Millionen Euro verursacht hat. Diese Summe kann die etwa 3.300 Einwohner zählende Gemeinde nicht allein stemmen, zumal der Fertigstellungstermin deutlich überschritten wurde.
Politisches Desinteresse verschärft die Krise
Bei einer dringend einberufenen Pressekonferenz ließen sich weder Vertreter des Kreises, des Landes noch des Bundes blicken, was für erhebliche Verstimmung sorgte. Amtsvorsteher Stefan Müller (CDU) bezeichnete dieses Fernbleiben als "beschämend". Er betonte, dass es um die Bildung von rund 1.000 Kindern im Amtsbereich Löcknitz-Penkun gehe und forderte Bund und Land auf, ihrer Verantwortung nachzukommen. Die Gemeinde fühlt sich im Stich gelassen, während die Uhr tickt.
Ursachen für den Bauverzug und Kostenexplosion
Laut Bauamtsleiter Karsten Stahl sind die zwingend vorgeschriebenen europäischen Ausschreibungen ein Hauptgrund für den rund zehnmonatigen Verzug. Insgesamt mussten 27 solcher Ausschreibungen für das Projekt durchgeführt werden, was allein vier Monate Verzögerung verursachte. Hinzu kam eine komplizierte Prüfstatik. "Auf der Baustelle wird sehr gut gearbeitet, aber unter diesen Rahmenbedingungen war der Fertigstellungstermin nicht zu halten", erklärte Stahl. Die Schule wird nun voraussichtlich erst zum Schuljahresbeginn im Spätsommer 2026 fertig, was die Fördermittel gefährdet, die an den ursprünglichen Termin gebunden waren.
Finanzielle Belastungen für Gemeinde und Umland
Bürgermeister Detlef Ebert (CDU) rechnete vor, dass die Gemeinde hofft, die Förderung von Bund und Land erhöht zu sehen. Im Idealfall würden dann Bund 50 Prozent, Land 25 Prozent und die Gemeinde 25 Prozent der Kosten tragen, was Löcknitz mit etwa 4 Millionen Euro belasten würde. Doch bereits jetzt sind andere Infrastrukturprojekte kaum umsetzbar. Ebert wies darauf hin, dass umliegende Kommunen indirekt durch steigende Schullastenausgleichszahlungen beteiligt werden, was die finanzielle Last in der Region verteilt.
Demografische Besonderheiten und politische Reaktionen
Die Regionale Schule wird von 325 Schülern besucht, darunter 139 aus Polen, was einem Anteil von fast 40 Prozent entspricht. In der Grundschule liegt dieser Anteil sogar bei 52 Prozent. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) wies die Kritik zurück und betonte, dass das Land die Kommunen nicht allein lasse, aber die Gelder in Löcknitz nicht rechtzeitig verbaut wurden. Landrat Michael Sack (CDU) und Patrick Dahlemann (SPD) von der Staatskanzlei Schwerin äußerten sich ähnlich und verwiesen auf frühere Unterstützung, während sie eine gemeinsame Lösung forderten.
<3>Bauprojekt im Detail und SparsamkeitDer Schulneubau umfasst eine Grundfläche von 4.700 Quadratmetern auf zwei Etagen mit 24 Räumen pro Etage. Die Baukosten liegen bei etwa 2.716 Euro pro Quadratmeter, was im unteren Bereich des Baukostenindex für Schulbauten von 2.500 bis 4.000 Euro liegt. "Was wir hier bauen, ist also kein Luxus", betonte Bauamtsleiter Stahl. Die Gemeinde hat sparsam geplant, doch die externen Faktoren trieben die Kosten in die Höhe.
Insgesamt steht Löcknitz vor einer Herkulesaufgabe: Ohne zusätzliche Förderung droht der finanzielle Kollaps, während die Bildung der Kinder auf dem Spiel steht. Die Gemeinde appelliert an die Solidarität von Bund und Land, um das Projekt zu retten.



