Debatte um Landesgartenschau-Bewerbung spaltet Templiner Politik
In der Uckermark-Stadt Templin entzündet sich eine kontroverse Diskussion um eine mögliche Bewerbung für eine künftige Landesgartenschau (LAGA). Die AfD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung hält das Thema mit Nachdruck am Kochen und hat bereits einen zweiten Antrag eingebracht, nachdem ein erster Vorstoß in die Fachausschüsse zurückverwiesen worden war.
AfD drängt auf zügige Vorbereitung
Der aktuelle Antrag der AfD sieht vor, dass Bürgermeister Christian Hartphiel (SPD) umgehend mit der Vorbereitung einer Bewerbung beginnen soll. Konkret fordert die Fraktion die Erarbeitung eines groben Konzepts, jährliche Berichterstattung und die Vorlage einer Beschlussvorlage, sobald der offizielle Bewerbungstermin feststeht. Für die nächste LAGA im Jahr 2032 ist der Zug jedoch bereits abgefahren, da die Bewerbungsfrist hierfür schon verstrichen ist.
Bürgermeister warnt vor enormen Belastungen
Bürgermeister Hartphiel äußert deutliche Bedenken gegenüber den Plänen. Er verweist auf die hohen finanziellen Belastungen, die auf die Stadt zukämen:
- Allein 30.000 Euro für die Erstellung eines groben Konzepts
- Mehrere Millionen Euro Eigenmittel für notwendige Infrastruktur-Investitionen
- Zusätzliche Kosten für Rückbau und Folgeunterhaltung
Hartphiel befürchtet zudem einen Verkehrskollaps während der sechsmonatigen Veranstaltungsdauer, in der bis zu 1000 Einzelveranstaltungen stattfinden könnten. Ein weiteres Problem sieht er in dem städtebaulichen Mangel an ausreichend großen städtischen Flächen, die für eine Landesgartenschau entwickelt werden müssten.
Unterschiedliche Positionen in den Fachausschüssen
In den verschiedenen Fachausschüssen zeichnen sich klare Konturen der Debatte ab. Sebastian Markhoff (BfVG) argumentiert, dass angesichts langer Planungsphasen bei Bauprojekten zehn Jahre Vorbereitungszeit durchaus angemessen seien. Thomas Neumann (CDU) findet im Finanzausschuss die geforderten 30.000 Euro für ein Konzept nicht zu hoch, um Klarheit über die Machbarkeit zu gewinnen.
Fachbereichsleiterin Thekla Seifert schlägt vor, zunächst die offiziellen Bewerbungsrichtlinien genau zu studieren, um zu prüfen, ob Templin überhaupt die grundlegenden Bedingungen erfüllen kann. Christoph Herfurth weist im Bauausschuss darauf hin, dass Templin kaum über ein 20 Hektar großes Areal verfüge, das für eine Landesgartenschau geeignet wäre.
Personelle und finanzielle Engpässe
Ein zentraler Kritikpunkt betrifft die personellen Kapazitäten. Thekla Seifert stellt klar, dass die Vorbereitung einer Bewerbung mit dem aktuellen Personalbestand nicht umsetzbar wäre. Sibylle Lipski warnt zudem vor unkalkulierbaren Folgekosten, die langfristig auf die Stadt zukommen könnten.
Christian Bork (AfD) kontert, dass der letzte Bewerbungstermin bereits ohne Templiner Beteiligung verstrichen sei, weil die Stadt schlecht vorbereitet gewesen sei. Man dürfe nicht erneut zehn Jahre verstreichen lassen, ohne konkrete Schritte zu unternehmen.
Alternative Vorschläge und Bürgerperspektive
Bürgermeister Hartphiel schlägt einen alternativen Zeitplan vor: Zuerst solle die Landesgartenschau 2027 in Wittenberge besucht werden, um Erfahrungen zu sammeln. Eine Entscheidung über eine eigene Bewerbung könnte dann Ende 2028 oder 2029 getroffen werden.
Die sachkundige Bürgerin Rebecca Janoska bringt im Kulturausschuss eine weitere Perspektive ein: Mit demselben finanziellen Aufwand könnten zahlreiche kleinere Projekte realisiert werden, die direkt den Bürgern zugutekämen. Zudem gebe es in Templin derzeit keinen erkennbaren Mangel an Touristen, der eine solche Großinvestition rechtfertigen würde.
Gespaltene Ausschussempfehlungen
Die Fachausschüsse kommen zu unterschiedlichen Bewertungen:
- Der Stadtentwicklungsausschuss und der Bauausschuss empfehlen die Annahme der Vorlagen
- Im Kulturausschuss und im Finanzausschuss findet der Antrag jedoch keine Mehrheit
Die Debatte zeigt deutlich die komplexen finanziellen, planerischen und personellen Herausforderungen auf, die mit einer möglichen Bewerbung Templins für die Landesgartenschau verbunden wären. Während die AfD auf zügiges Handeln drängt, verweisen andere auf realistische Einschränkungen und alternative Verwendungsmöglichkeiten für die begrenzten städtischen Ressourcen.



