Landratswahl in der Uckermark: Spannungsgeladene Debatte mit Plakat-Streit und Verwaltungskritik
Die Landratswahl in der Uckermark steht am 19. April bevor und sorgt bereits jetzt für hitzige politische Auseinandersetzungen. Bei einem Wahlforum des Nordkurier am 9. April im Medienturm Prenzlau trafen die Amtsinhaberin Karina Dörk (CDU) und ihr Herausforderer Felix Teichner (AfD) aufeinander. Die Veranstaltung war von Beginn an von Spannungen geprägt, die sich bereits in den vergangenen Wochen durch medienwirksame Handschlag-Verweigerungen seitens Dörk angekündigt hatten.
Plakat-Affäre und verspäteter Auftritt
Der Konflikt zwischen den beiden Kandidaten entzündete sich an KI-generierten Wahlplakaten, auf denen Karina Dörk mit Merkel-Raute in einem magentafarbenen Dreieck abgebildet wurde. Die Landrätin bezeichnete diese Darstellung als geschmacklos und verweigerte Teichner daraufhin demonstrativ den Handschlag. Beim Wahlforum kam es dann zu einer weiteren peinlichen Situation: Während Dörk pünktlich um 10 Uhr im Podium saß, erschien Teichner mit über 20 Minuten Verspätung. Er begründete dies mit einer falschen Terminnotiz für 12 Uhr.
Zu Beginn der Debatte zeigte Teichner teilweise Reue: „Wenn es Sie verletzt hat, dann tut es mir leid“, sagte er zu Dörk. Allerdings betonte er, dass er die Plakate aus heutiger Sicht nicht mehr in dieser Form drucken lassen würde. Die Landrätin nahm die Entschuldigung nur teilweise an und forderte die Entfernung der Plakate, was Teichner nicht zusagte.
Sachthemen und kontroverse Positionen
In der inhaltlichen Diskussion zeigten sich bei einigen Themen überraschende Gemeinsamkeiten. Beide Kandidaten bekräftigten ihr Engagement für den Erhalt des Prenzlauer Krankenhauses. Karina Dörk verwies auf einen bevorstehenden Vor-Ort-Termin mit Vertretern der Uniklinik Greifswald, um Prenzlau und Angermünde zu Lehrkrankenhäusern zu entwickeln. Felix Teichner machte hingegen den bisherigen Betreiber GLG für die Probleme verantwortlich und kritisierte kostspielige Leasing- und Honorarkräfte.
Die größten Differenzen traten bei der Frage nach verhaltensauffälligen Jugendlichen mit Migrationshintergrund zutage. Dörk betonte, dass man sich des Problems gewalttätiger Tschetschenen bewusst sei und mit dem Ministerium im Gespräch stehe. Teichner warf dagegen vor, dass Namen und Gesichter der Täter seit Langem bekannt seien und forderte drastische Maßnahmen: „Als Landrat hätte man längst eine Notlage ausrufen und dafür sorgen müssen, dass die Jungs dorthin gebracht werden, wo sie hingehören.“
„Faultierfarm“-Vorwürfe und geplante Mitarbeitergespräche
Ein besonders brisanter Moment der Debatte war die Erwähnung des Begriffs „Faultierfarm“ durch Felix Teichner. Der AfD-Kandidat betonte, dass es sich dabei nicht um seine eigene Wertung handle, sondern um Kritik, die von Bürgern an ihn herangetragen worden sei. Er kritisierte eine lockere Arbeitsmoral in Teilen der Kreisverwaltung und kündigte für den Fall seiner Wahl zeitnahe Einzelgespräche mit Mitarbeitern an.
Karina Dörk wies diese Vorwürfe entschieden zurück: „Ich stelle mich vor meine Verwaltung und bin sicher, dass die Beschäftigten einen wichtigen Beitrag leisten“, erklärte sie. Sie kritisierte die pauschalisierende Verwendung des Begriffs als irreführend und unfair gegenüber den Mitarbeitern.
Unterschiedliche Visionen für das Landratsamt
Bei der grundsätzlichen Frage, ob ein Landrat eher Gestalter oder Verwalter staatlicher Vorgaben sein sollte, zeigten sich deutliche Unterschiede in den politischen Philosophien. Teichner wurde emotional und verwies auf seine Haltung während der Coronazeit, wo er – ähnlich wie der damalige MOL-Landrat – keine Bußgeldbescheide ausgestellt hätte. Dörk hielt dagegen: „Wenn wir uns nicht als Umsetzungsebene verstehen, dann haben wir hier irgendwann Anarchie.“ Sie betonte ihren Eid auf Recht und Gesetz, unabhängig von persönlichen Meinungen.
Ausblick auf die Wahl und persönliche Perspektiven
Zum Abschluss der Veranstaltung gaben beide Kandidaten Einblick in ihre persönlichen Pläne für den Fall einer Nichtwahl. Karina Dörk äußerte die Hoffnung, dass die Wähler zwischen ihrer Parteizugehörigkeit und ihrer bisherigen Arbeit unterscheiden könnten. Einen konkreten Plan B habe sie noch nicht, sei aber zuversichtlich, weiter in Verantwortung zu bleiben.
Felix Teichner rechnet mit einem knappen Wahlergebnis und verwies auf seine weiteren politischen Mandate im Landtag und in der Prenzlauer Stadtverordnetenversammlung bis 2029. Er wünschte sich eine bessere Zusammenarbeit der politischen Verantwortungsträger in Zukunft – doch auch am Ende der Veranstaltung blieb der Handschlag aus. Dörks letzte Worte an Teichner: „Wenn Sie darauf Wert legen, dass ich Ihnen die Hand gebe, dann nehmen Sie die Plakate ab! Eine Woche ist noch Zeit.“
Die Wahl am 19. April wird zeigen, ob die Uckermark weiter von Karina Dörk geführt wird oder ob Felix Teichner mit seinen umstrittenen Positionen und geplanten Mitarbeitergesprächen in der Kreisverwaltung das Rennen macht.



