Nigeria: Luftangriff auf Dorfmarkt fordert Hunderte Todesopfer
Im Nordosten Nigerias hat ein Luftangriff der nationalen Luftwaffe auf einen belebten Dorfmarkt eine humanitäre Katastrophe ausgelöst. Nach ersten Berichten von Augenzeugen und lokalen Behörden werden mindestens 200 Menschen vermisst und befürchtet tot. Der Angriff ereignete sich am Samstagabend im Rahmen einer Militäroperation gegen die islamistische Terrorgruppe Boko Haram.
Armee räumt fehlgeleiteten Angriff ein
Die nigerianische Luftwaffe hatte zunächst erklärt, Kämpfer der Terrororganisation Boko Haram im Gebiet Jilli im Bundesstaat Borno getötet zu haben. In einer offiziellen Stellungnahme am Sonntag erwähnte sie jedoch keinen Angriff auf einen zivilen Markt. Gegenüber internationalen Nachrichtenagenturen räumten Vertreter der Armee später einen fehlgeleiteten Angriff ein, ohne konkrete Details zu nennen.
Der Vorfall geschah in einem Dorf im Bundesstaat Yobe nahe der Grenze zu Borno. Diese Region ist seit Jahren das Kerngebiet eines blutigen Aufstands, der bereits Tausende Menschenleben gefordert und Millionen zur Flucht gezwungen hat.
Augenzeugen berichten von verheerenden Szenen
Lawan Zanna Nur Geidam, ein Gemeinderatsmitglied und traditionelles Oberhaupt der Gemeinde Fuchimeram im Bezirk Geidam von Yobe, schilderte gegenüber Reuters die dramatischen Ereignisse: "Es ist ein verheerender Vorfall auf dem Jilli-Markt. Während ich mit Ihnen spreche, sind bereits über 200 Menschen durch den Luftangriff ums Leben gekommen." Die Verletzten würden in Krankenhäuser in den Bundesstaaten Yobe und Borno gebracht.
Drei weitere Anwohner und ein Vertreter einer internationalen Hilfsorganisation bestätigten den Angriff und die mutmaßliche Zahl der Todesopfer. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International gab an, Überlebende hätten den Tod von mindestens 100 Marktbesuchern bestätigt.
Katastrophenschutz ergreift Notfallmaßnahmen
Die Katastrophenschutzbehörde des Bundesstaates Yobe (SEMA) teilte mit, erste Berichte über einen Vorfall auf dem Jilli-Markt erhalten zu haben, "bei dem es Berichten zufolge auch einige Opfer unter den Marktleuten gab". Man habe daraufhin umgehend Notfallmaßnahmen ergriffen, um den Betroffenen Hilfe zu leisten.
Ahmed Ali, ein 43-jähriger Anwohner, der auf dem Markt medizinische Verbrauchsmaterialien verkaufte, berichtete aus dem Krankenhaus von seinen traumatischen Erlebnissen: "Ich bekam solche Angst und versuchte zu fliehen, aber ein Freund zog mich mit sich, und wir blieben alle auf dem Boden liegen." Er wurde bei einer Explosion verletzt und gehört zu den Überlebenden des Angriffs.
Internationale Besorgnis wächst
Der Vorfall wirft erneut kritische Fragen zur Vorgehensweise der nigerianischen Sicherheitskräfte im Kampf gegen den Terrorismus auf. Trotz jahrelanger internationaler Unterstützung und Militärhilfe gelingt es der Regierung nicht, die Zivilbevölkerung angemessen zu schützen. Die Region bleibt ein Brennpunkt gewaltsamer Auseinandersetzungen, die regelmäßig unschuldige Menschenleben fordern.
Die genaue Zahl der Opfer ist noch unklar, da Rettungskräfte weiterhin nach Vermissten suchen und die Identifizierung der Toten andauert. Die lokalen Behörden fordern dringend humanitäre Hilfe und medizinische Unterstützung für die betroffenen Gemeinden.



