Asylchancen für Syrer gesunken: Jesiden erhalten deutlich häufiger Schutzstatus
Asylchancen für Syrer: Jesiden erhalten häufiger Schutz

Asylchancen für Syrer in Deutschland stark rückläufig

Seit dem Machtwechsel in Syrien haben Menschen aus dem Land kaum noch Aussicht auf Asyl oder Flüchtlingsschutz in Deutschland. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Clara Bünger hervor. Allerdings zeigt sich, dass Angehörige religiöser und ethnischer Minderheiten in etwas geringerem Maße betroffen sind. Anfang dieses Jahres ist der Anteil der Schutzgewährungen leicht angestiegen, bleibt aber auf niedrigem Niveau.

Schutzquote für Syrer auf historischem Tiefstand

Laut dem Bundesinnenministerium erhielten im vergangenen Jahr nur 5,3 Prozent der syrischen Staatsangehörigen, über deren Anträge das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) entschied, einen Schutzstatus. Dieser umfasst die Anerkennung als Flüchtling oder Asylberechtigter, den subsidiären Schutz oder ein Abschiebeverbot. Der subsidiäre Schutz kommt zum Tragen, wenn weder Flüchtlingsschutz noch Asylberechtigung gewährt werden, dem Betroffenen jedoch im Herkunftsland ernsthafter Schaden droht. Anträge, die nicht inhaltlich geprüft werden, sind in dieser Quote nicht berücksichtigt.

Jesiden und Christen mit höheren Anerkennungsraten

Die sogenannte bereinigte Schutzquote variiert stark zwischen verschiedenen Minderheiten. Für Christen aus Syrien lag sie bei rund 17 Prozent, für die drusische Minderheit bei 9,1 Prozent. Besonders hoch ist die Quote bei Jesiden: Mehr als jedem zweiten Jesiden aus Syrien (57,1 Prozent) wurde 2025 ein Schutzstatus zuerkannt. Bei den Alawiten, einer religiösen Minderheit im schiitischen Islam, betrug die Quote 20 Prozent. Die Familie des ehemaligen Präsidenten Baschar al-Assad gehört dieser Minderheit an, die unter den alten Machthabern Schlüsselpositionen in Militär und Geheimdiensten besetzte.

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Proteste und Kritik an aktueller Politik

Angehörige syrischer Minderheiten klagen über Diskriminierung und Verfolgung durch die neuen Machthaber und verbündete bewaffnete Gruppen. Dies war Hintergrund von Protestaktionen während des Besuchs von Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa bei Bundeskanzler Friedrich Merz Ende März. Beide Politiker waren sich einig, dass ein Großteil der Flüchtlinge in Deutschland perspektivisch zurückkehren sollte. Clara Bünger kritisiert die aktuellen Ablehnungen scharf und verweist auf mangelnde Grundversorgung in Syrien.

Bamf beschränkt Entscheidungen auf bestimmte Gruppen

Aktuell entscheidet das Bamf nicht über alle Asylanträge von Syrern. Nach einer Aussetzung im Dezember 2024 aufgrund der unübersichtlichen Lage nahm das Bundesamt die Bearbeitung im Sommer wieder auf, zunächst beschränkt auf Straftäter und Terrorgefährder. Seit September werden auch Anträge von jungen, arbeitsfähigen, allein reisenden Männern arabischer Volks- und sunnitischer Konfessionszugehörigkeit bearbeitet. Zudem werden Verfahren mit abgelaufener Frist oder nach Untätigkeitsklagen entschieden. Wann die Entscheidungstätigkeit für weitere Gruppen wiederaufgenommen wird, ist unklar.

Statistische Entwicklungen und Widerrufsverfahren

Im Jahr 2024 lag die Schutzquote für Syrer noch bei annähernd 100 Prozent. In den ersten zwei Monaten dieses Jahres entschied das Bamf jeweils über rund 5.000 Anträge, wobei der Anteil der Schutzgewährungen mit 10,4 Prozent fast doppelt so hoch war wie im Gesamtjahr 2025. Bei Kurden lag die Quote im vergangenen Jahr bei 11,8 Prozent und stieg in den ersten zwei Monaten 2026 auf 20,5 Prozent. In Widerrufsverfahren, in denen das Bamf prüft, ob Schutzgründe entfallen sind, lag die Widerrufsquote 2025 bei 3,7 Prozent und stieg in den ersten zwei Monaten 2026 auf 11,1 Prozent.

Ende November 2025 lebten nach Angaben der Bundesregierung rund 940.401 Syrer in Deutschland, von denen 512.348 einen Schutzstatus hatten. Viele Flüchtlinge aus dem Jahr 2015 sind inzwischen eingebürgert worden.

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