Die Mosaik-Verteidigung: Wie Saddams Kriegserbe den iranischen Machtapparat stabilisiert
Mosaik-Verteidigung: Saddams Erbe stabilisiert Irans Macht

Die Mosaik-Verteidigung: Wie Saddams Kriegserbe den iranischen Machtapparat stabilisiert

Als am vergangenen Freitag erste Meldungen über den Abschuss eines US-Kampfjets aus dem Iran die internationale Börse erreichten, dürfte dies für die Trump-Regierung wie ein unerwarteter Weckruf gewirkt haben. Trotz aller Siegesbeteuerungen aus Washington verfügen die Mullahs weiterhin über ausreichend Raketen und Drohnen, um ihre Nachbarstaaten in permanente Alarmbereitschaft zu versetzen. Sollte es dem Regime tatsächlich gelingen, einen amerikanischen Piloten gefangen zu nehmen, hätten die Machthaber in Teheran plötzlich ein mächtiges Druckmittel in der Hand.

Eine veränderte Kriegsdynamik

Die aktuelle militärische Lage präsentiert sich deutlich anders als in den ersten vierundzwanzig Stunden nach Kriegsbeginn Ende Februar. Damals gelang es israelischen und amerikanischen Streitkräften innerhalb kürzester Zeit, fast die gesamte Führungsriege der Islamischen Republik auszuschalten – inklusive des jahrzehntelangen Herrschers und Obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei. Die iranische Führung schien schwer geschwächt, ein Kriegsende ausschließlich nach amerikanischen Bedingungen erschien realistisch.

Doch mehr als einen Monat nach Beginn der koordinierten Angriffe wirkt die Machtstruktur in Teheran überraschend stabil und gefestigt. Diese bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit könnte auf eine taktische Kriegsführung zurückzuführen sein, die der Iran systematisch und mit langem Atem vorbereitet hat.

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Das Trauma der Heiligen Verteidigung

Die strategischen Wurzeln dieser Widerstandsfähigkeit reichen bis in die 1980er-Jahre zurück. Während des erbitterten Iran-Irak-Krieges gelang es dem irakischen Diktator Saddam Hussein mit seinen Truppen, tief in die strategisch wichtige iranische Region Chuzestan vorzudringen. Diese Offensive führte dazu, dass iranische Städte jahrelang unter dem ständigen Beschuss feindlicher Raketen litten und die Existenz der jungen Islamischen Republik ernsthaft bedroht war.

Aus diesem traumatischen Erlebnis der sogenannten Heiligen Verteidigung gegen Saddam entwickelten die iranischen Mullahs im Jahr 2005 die heute so wirkungsvolle Mosaik-Verteidigung. Diese innovative Militärdoktrin zielt darauf ab, die Kampffähigkeit der Revolutionsgarden auch dann aufrechtzuerhalten, wenn das zentrale Hauptquartier durch feindliche Angriffe zerstört oder schwer beschädigt wird.

Dezentrale Kommandostrukturen

Zur Umsetzung dieser Strategie wurden landesweit einunddreißig separate Kommandoeinheiten in den verschiedenen Provinzen etabliert, die eigenständig und unabhängig voneinander operative Entscheidungen treffen können. In der praktischen Anwendung bedeutet dies, dass regionale Militäreinheiten auch dann weiterkämpfen können, wenn die zentrale Kommunikation zusammenbricht oder die nationale Führung ausfällt.

Außenminister Abbas Araghtschi, der erfahrene Diplomat mit seinen dreiundsechzig Lebensjahren, verwies bereits einen Tag nach Kriegsbeginn öffentlich auf diese Mosaik-Verteidigung. Er betonte damals, dass diese Strategie es dem Iran ermögliche, selbstbestimmt zu entscheiden, wann und unter welchen Bedingungen der Krieg beendet werden würde.

Der geografische Vorteil

Zusätzlich zu dieser flexiblen Militärdoktrin verfügt der Iran über einen bedeutenden geografischen Vorteil. Die Hauptstadt Teheran und das historische persische Kernland sind von den mächtigen Gebirgsketten des Zagros und Elburs umschlossen, die natürliche Verteidigungsbarrieren bilden. Jede Bodenoffensive amerikanischer Truppen wäre mit nahezu unkalkulierbaren Risiken verbunden und würde vermutlich hohe Verluste fordern.

Damit bleibt US-Präsident Donald Trump, der neunundsiebzigjährige Republikaner, vorerst auf einen intensivierten Luftkrieg beschränkt – eine Strategie, die wie der Abschuss des US-Kampfjets am Freitag deutlich zeigt, ebenfalls nicht ohne erhebliche Gefahren und Verluste bleibt. Die Mosaik-Verteidigung erweist sich somit als überraschend wirksames Instrument zur Stabilisierung des iranischen Machtapparates unter extremen Kriegsbedingungen.

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