Pistorius äußert sich in Australien zu Iran-Konflikt und deutscher Rolle
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat während seines Besuchs in Australien klare Worte zum anhaltenden Iran-Krieg gefunden. Bei einem Treffen mit seinem australischen Amtskollegen Richard Marles in Canberra betonte der 66-jährige Minister die dringende Notwendigkeit einer diplomatischen Lösung und warnte gleichzeitig vor den verheerenden Auswirkungen des Konflikts auf die Weltwirtschaft.
Warnung vor globalen Wirtschaftsfolgen
„Dieser Krieg ist eine Katastrophe für die Volkswirtschaften der Welt“, erklärte Pistorius mit Nachdruck. „Die Auswirkungen sind schon jetzt nach wenig mehr als zwei Wochen klar.“ Der Verteidigungsminister richtete seine Forderung nach einer schnellen diplomatischen Lösung sowohl an den Iran als auch an die Vereinigten Staaten. Besonders kritisch äußerte sich Pistorius zum fehlenden Konsultationsprozess: „Wir sind vorher nicht konsultiert worden. Es ist nicht unser Krieg. Und darum wollen wir in diesen Krieg auch nicht reingezogen werden.“
Deutsche Bereitschaft zur Friedenssicherung
Was die mögliche Beteiligung Deutschlands angeht, machte Pistorius deutlich, dass die Bundesregierung grundsätzlich bereit sei, einen vereinbarten Waffenstillstand zu schützen. „Wenn wir zu einer Waffenruhe kommen, werden wir jeden Einsatz für eine Absicherung des Friedens diskutieren“, so der Minister. Konkret nannte er dabei den Schutz des freien Seeverkehrs in der strategisch wichtigen Straße von Hormus, deren Sicherung für die globale Wirtschaft von entscheidender Bedeutung ist.
Pistorius betonte die globale Dimension des Konflikts: „Instabilität in der Nahost-Region hätte Auswirkungen auf die gesamte Welt. Und deswegen sind wir bereit, jeden Frieden abzusichern.“ Diese klare Positionierung unterstreicht das deutsche Interesse an regionaler Stabilität und ungehindertem Welthandel.
Kritik an fehlender US-Strategie
Grundsätzlich übte der deutsche Verteidigungsminister auch Kritik am Vorgehen der USA im Iran-Konflikt. Im National Press Club Australiens sagte er: „Was mir an diesem Krieg am meisten Sorgen macht, ist, dass es keine Konsultationen gab, es keine Strategie gibt, kein klares Ziel, und das Schlimmste aus meiner Sicht ist, dass es keine Exit-Strategie gibt.“ Diese deutlichen Worte zeigen die Besorgnis der Bundesregierung über die mangelnde Planung und Koordination im internationalen Umgang mit dem Konflikt.
Deutsch-australische Verteidigungszusammenarbeit
Neben den Gesprächen zum Iran-Krieg vereinbarten Pistorius und sein australischer Kollege Marles eine Vertiefung der bilateralen Verteidigungszusammenarbeit. Beide Minister beschlossen, die Stationierung von Truppen des jeweils anderen Landes zu erleichtern und bei der Verteidigung im Weltraum enger zusammenzuarbeiten. Diese Absprachen unterstreichen die wachsende strategische Partnerschaft zwischen Deutschland und Australien im indo-pazifischen Raum.
Der Besuch von Verteidigungsminister Pistorius in Australien ist Teil einer umfassenden Reise durch den Indo-Pazifik, die ihn bereits nach Japan und Singapur geführt hat. Die Gespräche in Canberra zeigen das aktive Engagement Deutschlands in internationalen Sicherheitsfragen und die Bereitschaft, Verantwortung für globale Stabilität zu übernehmen – auch wenn dies nicht im direkten deutschen Einflussbereich liegt.



