AfD-Landratskandidat in Uckermark konfrontiert mit massiven Vorwürfen
Felix Teichner (35), der am 19. April als zweiter AfD-Landrat Deutschlands gewählt werden möchte, sieht sich in der Uckermark mit drastischen Anfeindungen konfrontiert. Zahlreiche seiner Wahlplakate wurden mit dem Begriff „Nazi!!!“ übersprüht, teilweise mit Hitler-Bärtchen versehen oder komplett zerstört. Im Gespräch mit dem Nordkurier betont der Güstower jedoch entschieden: „Ich bin kein Faschist.“
Persönliche Konsequenzen und Familienleben
Besonders bedauerlich findet Teichner, dass diese Vorwürfe fast ausschließlich anonym auf Plakaten oder in sozialen Medien geäußert werden. „Direkt ins Gesicht sagt mir das niemand“, stellt der Politiker fest. Erleichtert zeigt er sich darüber, dass seine drei Söhne im Alter von 10, 5 und 3 Jahren bei ihren Müttern „in sicherer Entfernung“ wohnen und von den Anfeindungen nichts mitbekommen. „Gingen sie hier zur Schule oder in die Kita, sähe das vielleicht anders aus“, räumt er ein.
Teichner betont, dass er gerne in sachliche Diskussionen einsteigen würde, um zu erklären, „dass meine Partei mit Sicherheit nicht für Führerstaat, Angriffskrieg und Völkermord steht. Wir wollen mehr Demokratie und eine funktionierende Gesellschaft.“ Genau aus diesem Grund habe er sich entschieden, gegen die amtierende Landrätin Karina Dörk (CDU) anzutreten.
Politische Ambitionen und Herausforderungen
Seit 2015 ist der Bauernsohn in der AfD aktiv und hat konkrete Pläne für die Uckermark, sollte er die Wahl gewinnen. Trotz der Einstufung der Brandenburger AfD als rechtsextrem durch den Verfassungsschutz im Jahr 2025 sieht Teichner seine Chancen als fifty-fifty. „Gerade im ländlichen Bereich sind wir stark, ebenso wie in Prenzlau und Schwedt. Das haben die letzten Wahlen gezeigt“, argumentiert der gelernte Industriearbeiter.
Der momentan noch für die AfD im Landtag sitzende Politiker erkennt in der Bevölkerung wachsende Unzufriedenheit. „Es brodelt überall“, ist er überzeugt. Als Beispiel nennt er die touristische Entwicklung: „Wir haben hier mit der Oder und dem Uckersee zwei fast unerschlossene Rohdiamanten, die es zu entwickeln gilt - mit Badestellen, mit Fahrgenehmigungen, mit Schilfrückschnitt; selbstverständlich im Einklang mit der Natur. Da würde ich vieles anders machen.“
Kritik an der Kreisverwaltung und Zukunftsvisionen
Die aktuelle Kreisverwaltung charakterisiert Teichner durch überbordende Bürokratie, lange Wartezeiten und schlecht erreichbare Beamte. „Versuchen Sie mal, einen Entscheider ans Telefon zu bekommen oder gar die Landrätin. Aussichtslos. Wir brauchen wirklich dringend einen Wechsel“, moniert der Parlamentarier.
Sollte er gewählt werden, rechnet Teichner mit möglichen Unstimmigkeiten im Personal. „Es gibt ja in Deutschland Leute, die sagen, dass sie das Land verlassen, wenn die AfD an die Macht kommt. Aber ich werde jedem die Chance geben, mich persönlich kennenzulernen“, verspricht er. Als Vorbild nennt er seinen Parteifreund Robert Sesselmann, der seit 2023 als erster AfD-Landrat in Sonneberg (Thüringen) „besonnen zum Wohle der Bürger - ohne Skandale“ regiere.
Persönliche Opfer und symbolische Handlungen
Ein Wahlsieg hätte für Teichner auch finanzielle Nachteile: „Im Landtag hätte ich mehr Geld, zumal ich ja dann auch mein Stadtverordnetenmandat abgeben müsste.“ Die Liebe zur Heimat wäre ihm dieses Opfer aber wert.
Seine erste Amtshandlung als Landrat würde symbolisch beginnen: „Die Demokratiebank auf dem Hof der Kreisverwaltung. Diese macht einen ungepflegten Eindruck.“ Sein erster Anruf soll einem Tischler gelten, der die Bank so repariert, „dass mehr Menschen darauf Platz haben, ohne dass ein Sitz frei bleibt. Diese Bank steht für mich für Ausgrenzung. Hier nennt man Menschen zu Unrecht Nazis und Rassisten, nur weil sie eine andere Einstellung zur Migrationspolitik haben.“



