Wahlkampfendspurt in Ungarn: Orbán schürt Umsturzgerüchte ohne Beweise
Wenige Tage vor der entscheidenden Parlamentswahl in Ungarn hat Ministerpräsident Viktor Orbán die Opposition um Herausforderer Péter Magyar erneut mit schweren Vorwürfen überzogen. In einer aktuellen Videobotschaft auf seiner Facebook-Seite behauptet der langjährige Regierungschef, seine politischen Gegner würden im Falle einer Wahlniederlage für Proteste und Unruhen sorgen. »Unsere Gegner schrecken vor nichts zurück«, erklärte Orbán darin. Konkrete Beweise für diese Anschuldigungen legte er jedoch nicht vor.
Orbán unter Druck: Umfragen zeigen klaren Vorsprung für Magyar
Der autokratische Ministerpräsident steht unter erheblichem politischen Druck. Aktuelle Umfragen zeigen einen deutlichen Vorsprung für die Partei seines Herausforderers Péter Magyar. Orbán, der seit 16 Jahren an der Macht ist, reagiert im Wahlkampfendspurt mit einem rabiaten Kurs. Er bezichtigt Magyar regelmäßig, von ausländischen Mächten wie der Ukraine gesteuert zu werden, und behauptet nun in seiner neuesten Botschaft: »Sie kooperieren mit ausländischen Geheimdiensten. Schon jetzt, bevor ihre Stimmen überhaupt ausgezählt worden wären, organisieren sie Proteste und Unruhen.«
Der ungarische Sicherheitsexperte und ehemalige Geheimdienstoffizier Peter Buda weist darauf hin, dass ähnliche Gerüchte seit einiger Zeit von russischen Social-Media-Kanälen verbreitet werden. Orbáns Regierung steht im Verdacht, Moskau mit Live-Updates von Brüsseler EU-Gipfeln versorgt zu haben. In der Europäischen Union, der Ungarn seit 2004 angehört, hat Orbán mit seinem Veto Hilfen für die von Russland angegriffene Ukraine blockiert.
Magyar mahnt zur Ruhe und fordert würdevolles Akzeptieren des Wahlergebnisses
Péter Magyar reagierte umgehend auf Orbáns Vorwürfe. In einem eigenen Facebook-Video forderte er die ungarische Bevölkerung auf, sich auf keine Provokationen einzulassen und ihre Friedfertigkeit zu bewahren. »Wir ersuchen den scheidenden Ministerpräsidenten, das Urteil des ungarischen Volks mit gebotener Nüchternheit und Würde zu akzeptieren«, erklärte Magyar. Er betonte, dass Orbán am Sonntag von Millionen Ungarn abgewählt werde, die ihm bei früheren Wahlen zur Regierungsmacht verholfen hätten und die er »im Stich gelassen und verraten« habe.
Der Wahlkampf in Ungarn hat in den letzten Tagen an Schärfe gewonnen. Orbáns Partei liegt in den Umfragen deutlich hinter der von Magyar, was den amtierenden Ministerpräsidenten zu immer drastischeren Aussagen veranlasst. Internationale Beobachter zeigen sich besorgt über die Stabilität des Landes in der heißen Phase vor der Abstimmung.
Internationale Unterstützung für Orbán bleibt begrenzt
Selbst die Unterstützung durch US-Vizepräsident JD Vance, der kurz vor der Wahl Orbán besuchte und bei MAGA-Hardlinern in den USA einen guten Ruf genießt, scheint den ungarischen Premier nicht mehr retten zu können. Bei seinen eigenen Landsleuten hat Orbán mittlerweile deutlich an Rückhalt verloren. Die ungarische Bevölkerung zeigt sich zunehmend unzufrieden mit der politischen Führung und den außenpolitischen Positionen der Regierung.
Die Parlamentswahl am kommenden Sonntag wird als entscheidend für die politische Zukunft Ungarns angesehen. Während Orbán mit unbelegten Umsturzgerüchten gegen die Opposition kämpft, setzt Magyar auf einen sachlichen Wahlkampf und appelliert an die Vernunft der Wähler. Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Entwicklungen in dem EU-Mitgliedsstaat mit großer Aufmerksamkeit.



