Landratswahl im Saalekreis: Chemie, Schulen und Strukturwandel im Fokus des MZ-Wahlforums
Saalekreis-Wahl: Kandidaten zu Chemie, Schulen und Strukturwandel

Landratswahl im Saalekreis: Vier Kandidaten stellen sich den Bürgerfragen

Am 7. Juni entscheiden die Einwohner des Saalekreises zwischen Wettin und Bad Dürrenberg, wer auf Hartmut Handschak als Landrat folgen soll. Zur Wahl stehen Sven Czekalla (CDU), Uwe Arendt (AfD), Kerstin Eisenreich (Die Linke) und der parteilose Lars Zaruba. In einem gut besuchten Wahlforum der Mitteldeutschen Zeitung (MZ) im Merseburger Ständehaus diskutierten die Bewerber vor 130 Gästen über die drängendsten Themen der Region. Moderiert von Robert Briest, stellvertretendem Leiter der MZ-Lokalredaktion Merseburg, spannte sich der Bogen von der Zukunft der Chemieindustrie über Finanzfragen bis hin zu Bildungsinvestitionen.

Chemieindustrie im Fokus: Energiekosten und Transformation

Die Unterstützung der ansässigen Chemieindustrie bildete einen zentralen Diskussionspunkt. Kerstin Eisenreich betonte die Bedeutung kontinuierlichen Dialogs mit Unternehmen und Beschäftigten sowie politischer Lobbyarbeit auf Landes- und Bundesebene. Uwe Arendt forderte vor allem niedrigere Energiekosten und plädierte für eine stärkere Ausrichtung auf Biochemie, um regionale landwirtschaftliche Rohstoffe zu verarbeiten. Lars Zaruba setzt auf die Wiederbelebung einer Technischen Hochschule in Leuna-Merseburg in Kooperation mit den örtlichen Werken. Sven Czekalla sieht im Industriegebiet Merseburg-Süd eine Chance für neue chemische Ansiedlungen und betonte die Notwendigkeit, den Transformationsprozess aktiv zu gestalten.

Schulentwicklung und Kreisumlage: Kontroverse Positionen

Bei der Schulentwicklungsplanung zeigten sich deutliche Unterschiede. Zaruba sprach sich grundsätzlich für den Erhalt jeder Schule aus, machte jedoch die Entwicklung der Schülerzahlen zur Bedingung. Arendt verwies auf rückläufige Schülerzahlen und sah kaum Spielraum für Neubauten. Czekalla betonte die Bedeutung einer vernünftigen Schullandschaft und will Gymnasien stärken. Eisenreich lehnte Schulschließungen ab und befürwortete mehr Gemeinschaftsschulen zur Standortsicherung.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Zur umstrittenen Kreisumlage äußerte sich Czekalla zurückhaltend: Eine Erhöhung sei derzeit nicht geplant, stattdessen solle die Leistung der Kreisverwaltung für Kommunen transparenter kommuniziert werden. Arendt und Eisenreich lehnten Erhöhungen kategorisch ab, während Zaruba moderate Anpassungen im Zwei- bis Drei-Jahres-Rhythmus für notwendig hielt.

Energie und Tourismus: Kraftwerk Schkopau und Burg Querfurt

Die geplante Abschaltung des Kraftwerks Schkopau 2034 löste kontroverse Reaktionen aus. Zaruba befürwortete zunächst eine Fristverlängerung und erwog anschließend den Umstieg auf Gas oder andere preisgünstigere Ressourcen. Arendt sprach sich für eine Laufzeitverlängerung aus und brachte sogar Atomkraft als Alternative ins Spiel. Czekalla und Eisenreich plädierten dagegen für das Festhalten am eingeschlagenen Ausstiegspfad, wobei Eisenreich Wasserstoff als Brückentechnologie hervorhob.

Zur Zukunft der Burg Querfurt gab es breiten Konsens über deren Potenzial, jedoch unterschiedliche Akzente. Eisenreich sah Chancen im Bildungstourismus und plädierte für schrittweise Entwicklung. Zaruba will Schulbesuche attraktiver gestalten und Fördergelder für authentische Wiederherrichtung akquirieren. Arendt forderte mehr Veranstaltungen zur Einnahmengenerierung, während Czekalla kurzfristig gastronomische Angebote im Eselstall als Priorität nannte.

Attraktivität des Saalekreises: Wirtschaft und Demografie

Zur Frage der Attraktivität für Zuzügler betonte Zaruba die Schaffung von Arbeitsplätzen und Vereinfachung behördlicher Prozesse. Eisenreich hob die Bedeutung einer Willkommenskultur hervor. Czekalla verwies auf den demografischen Wandel und setzte auf qualifizierte Zuwanderung zur Sicherung des Arbeitskräftepotenzials. Arendt konterte mit Forderungen nach besserer Familienförderung, mehr Wohnraum und Kinderbetreuungsplätzen zur Stabilisierung der eigenen Bevölkerung.

Das nächste Wahlforum findet am 7. Mai um 18.30 Uhr in der Keramikscheune in Spickendorf statt. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration