Innsbruck (Österreich) – Ein geplantes Verkehrschaos epischen Ausmaßes steht bevor. Am 30. Mai werden die Brenner-Autobahn sowie die Bundesstraßen B182 und L38 im Wipptal für den Durchgangsverkehr vollständig gesperrt. Grund ist eine Demonstration von Anwohnern, die vom Landesverwaltungsgericht Tirol genehmigt wurde. Die Sperrung dauert acht Stunden und betrifft die wichtigste Verkehrsverbindung über die Alpen – ausgerechnet am Wochenende nach Pfingsten.
Protest gegen Verkehrsbelastung
„Wir wollen ein Zeichen setzen. Das immer weiter wachsende Verkehrsaufkommen im Wipptal ist eine Katastrophe für die Lebensqualität der Bevölkerung“, sagt Initiator Karl Mühlsteiger (49), Bürgermeister von Gries am Brenner, gegenüber BILD. Er kritisiert, dass die Politik jahrelang nicht reagiert habe: „Wir haben über Jahre versucht, mit der hohen Politik eine Änderung zu erreichen. Von der Demonstration versprechen wir uns, dass unsere Belange wahrgenommen werden. Wir benötigen unter anderem dringend einen passenden Lärmschutz.“ Die Aktion solle der Bevölkerung zumindest einen Tag der Ruhe bringen.
Gericht hebt Verbote auf
Die Bezirkshauptmannschaft Innsbruck hatte die Demonstration zweimal untersagt – unter anderem wegen der hohen Verkehrsbelastung auf der Autobahn (2025: 13,6 Millionen Fahrbewegungen). Karl Mühlsteiger legte Einspruch ein und bekam nun vor dem Landesverwaltungsgericht (LVwG) Tirol recht. Das Gericht entschied, dass eine Versammlung nicht allein mit dem Argument einer hohen Verkehrsbelastung untersagt werden darf. Eine solche Begründung würde das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit „ad absurdum führen“.
Tourismus und Wirtschaft unter Druck
Die Sperrung löst bei Wirtschaftsvertretern scharfe Kritik aus. „Der Brenner-Korridor ist mehr als eine Straße, er ist eine Lebensader für ganz Europa! Solche Entscheidungen dürfen nicht einseitig fallen“, erklärt Klaus Berger, Präsident des Südtiroler Hoteliers- und Gastwirtverbands (HGV), in einer Mitteilung. Er ist überzeugt: „Diese Sperre trifft den Tourismus ins Herz.“ Auch der Güterverkehr zwischen Österreich und Italien wird empfindlich getroffen. Der Autobahnbetreiber Asfinag rät dazu, Tirol weiträumig zu umfahren. Wer dennoch über den Brenner fahren will, muss mit Chaos rechnen. Behörden warnen vor einem „Versorgungsnotstand“ in den Staus. Reisende aus Deutschland, die am 30. Mai an den Gardasee wollen, sollten die Route über die Schweiz wählen.



