Busfahrer in Hamburg, Bürgermeister in der Elfenbeinküste: Alex Deagoues Doppeljob
Busfahrer und Bürgermeister: Alex Deagoues ungewöhnlicher Job

Viele Menschen engagieren sich neben ihrer Arbeit ehrenamtlich. Doch das, was Alex Deagoue macht, dürfte in Deutschland einzigartig sein: Der 57-Jährige lenkt für die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) Busse durch Hamburg und Schleswig-Holstein. Gleichzeitig ist er Bürgermeister seines Heimatdorfes Niambli in der Elfenbeinküste. Wie funktioniert das aus der Ferne? Ein Interview.

Herr Deagoue, Sie sind fast jeden Tag mit dem Linienbus unterwegs. Was ist Ihre liebste Strecke?

Ich werde auf zehn bis 15 Linien eingesetzt. Wenn man weniger Stress haben möchte, fährt man in den Dörfern nördlich von Hamburg, wie Tangstedt oder Quickborn. Dort sind nur wenige Fahrgäste, und man hat einen entspannten Tag. Die beste Linie ist die 478 bei Tangstedt. Auch die 578 liebe ich, eine Schullinie.

Sie leben seit 2000 in Deutschland. Fahren Sie schon immer Bus?

Nein, erst seit knapp zehn Jahren. Zuerst machte ich Zeitarbeit, dann ermöglichte mir die Arbeitsagentur eine Ausbildung zum Lkw-Fahrer. Das machte ich lange, bis ich mich für die Weiterbildung zum Busfahrer entschied. Die Menschen in Deutschland sind reservierter als in meiner Heimat. Als Busfahrer kommuniziert man viel, da fühle ich mich ein wenig wie zu Hause.

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Sie sind in Niambli aufgewachsen und seit Februar Bürgermeister. Wie kam es dazu?

Ich reise regelmäßig dorthin. Wenn man aus Deutschland kommt und sieht, wie die Leute leben, bekommt man einen Schock. Ein Beispiel: Ich kaufte Zigaretten und steckte das Papier in die Tasche. Ein Bekannter fragte: „Warum wirfst du es nicht auf den Boden?“ Diese Mentalität führt zu viel Müll. Ich wollte etwas von meinen Erfahrungen in Deutschland weitergeben.

Vor einigen Monaten endete die Amtszeit des bisherigen Bürgermeisters.

Ich war vor Ort und machte Wahlkampf. Das läuft anders als in Deutschland: In dem 3000-Einwohner-Dorf kennt man sich. Man geht zu den Leuten und stellt sich vor. Ich gründete ein Team. Mein Konkurrent lebt übrigens auch im Ausland, in London. Auf dem Wahlzettel waren Bilder von uns, die Leute konnten ankreuzen. Ich gewann mit etwa 70 Prozent der Stimmen.

Wie vereinbaren Sie beide Jobs?

Ich bin viel am Telefon und nutze digitale Kanäle. Mein Stellvertreter vor Ort hilft mir sehr. Ich fliege regelmäßig hin, um wichtige Entscheidungen zu treffen. Es ist anstrengend, aber es erfüllt mich.

Was sind Ihre Ziele als Bürgermeister?

Ich möchte die Müllproblematik lösen, die Wasserversorgung verbessern und die Schule renovieren. Außerdem will ich junge Leute ermutigen, sich zu engagieren. Ich hoffe, dass meine Erfahrungen aus Deutschland dabei helfen.

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