Berlin – Der in der Ostsee gestrandete Buckelwal „Timmy“ sorgt weiterhin für Schlagzeilen. Nun hat das Schicksal des Meeressäugers auch die Politik erreicht. Im „ntv Hauptstadttalk“ bei Nikolaus Blome (62) und Clara Pfeffer lieferten sich die ehemalige Linke-Chefin Katja Kipping (48) und der Journalist Blome eine hitzige Debatte über Moral, Umweltschutz und den Umgang mit Tieren.
Kipping: „Tiere sind mehr als eine Ware“
Kipping nutzte die Gelegenheit, um eine grundsätzliche Botschaft zu vermitteln. „Von rechts wird Umweltschutz gern als Kapriole einer linksgrünen Bubble abgetan“, sagte sie. „Dabei ist die Begeisterung für Flora und Fauna zutiefst in unsere Kulturgeschichte eingeschrieben – von Goethe bis Fontane. Bei Timmy blitzt es wieder auf: Natur ist Lebensraum, nicht nur Quelle für Ausbeutung. Tiere sind mehr als eine Ware. Und darin liegt auch etwas Ermutigendes.“
Blome kontert mit Doppelmoral-Vorwurf
Blome hielt scharf dagegen und diagnostizierte eine „Doppelmoral“. „Was sich da manifestiert im Netz, aber auch vor Ort, das ist eine Form von Doppelmoral“, wetterte er. „Dieselben Menschen, die jetzt so mitleiden mit diesem einen Wal, tun sich keine zweieinhalb Gedanken, was sie essen, wie sie mit Tieren umgehen. Es fokussiert sich eine Form von Mitgefühl in einer Art Ersatzhandlung auf dieses Tier, und darüber hinaus bleibt die Welt, wie sie ist.“
Kipping kontert emotional
Die Politikerin ließ sich nicht beirren und verwies auf den Alltag vieler Menschen. „Wenn man in der sozialen Arbeit so viel unterwegs ist, trifft man auf viele Menschen, die nicht so viel Geld haben und trotzdem ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten wollen“, erklärte sie. „Zum Beispiel wie sie in Schullandheimen ihre Gemeinschaftsverpflegung umstellen, um zur Klimaneutralität beizutragen. Ich bin an Bertolt Brecht geschult: Immer ein liebendes Bildnis von den Menschen machen!“
Medienkritik von Pfeffer
Co-Moderatorin Clara Pfeffer nahm die eigene Branche in die Pflicht. „Der ganze Wahnsinn ist auch ein bisschen Teil der medialen Begleitung“, gestand sie. Die Doppelmoral zeige sich auch in der „wirklich dramatischen Krise, also dem Biodiversitätsverlust“, denn „es sterben Arten jeden Tag, und Hunderte, Tausende Wale täglich in den Meeren“.
Kampeter bringt Fakten
Arbeitgeber-Chef Steffen Kampeter (63) lenkte die Debatte wieder auf die Sachebene. „Buckelwale sind eine Erfolgsgeschichte des Naturschutzes“, stellte er fest. „Sie waren nahezu ausgestorben, und Artenschutzmaßnahmen haben sie wieder aufleben lassen. Ich bin mir nur nicht sicher, ob der Umgang mit dieser einzelnen Kreatur tatsächlich Naturschutz und Artenschutz ist.“ Der CDU-Politiker betonte: „Wenn eine Kreatur verletzt ist, dann ist die Frage, verlängere ich ihr Leiden, eine tierethische, eine moralische und eine naturschützerische. Nord- und Ostsee sind nicht das klassische Lebensbiotop für Buckelwale. Er ist eine verirrte Kreatur an der falschen Stelle. Daraus kann man keine Feststellung für den Zustand von Nord- und Ostsee machen.“
Fazit: Moralischer Wellengang
Am Ende blieb der Eindruck einer Debatte, die größer sein wollte als ihr Anlass. Die einfache Frage, was konkret mit Timmy passieren soll, ging im moralischen Wellengang unter. Die Diskussion zeigte einmal mehr, wie sehr das Schicksal eines einzelnen Tieres die Gemüter erhitzen und politische Lager spalten kann.



