Missbrauchsfälle im Sport: TSV Trudering zeigt Präventionsweg auf
Immer wieder erschüttern Fälle von sexuellem Missbrauch in Sportvereinen die Öffentlichkeit. Zuletzt wurde ein ehemaliger Jugendtrainer für Leichtathletik des TSV 1860 München vom Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Der 46-Jährige hatte im Prozess zugegeben, in vier Fällen zwei Mädchen sexuell missbraucht zu haben. Die Opfer waren zur Tatzeit im Jahr 2009 und 2010 neun und zehn Jahre alt.
Wie Vereine mit dem sensiblen Thema umgehen sollten
Ein positives Beispiel für den Umgang mit dieser Thematik zeigt der TSV Trudering im Münchner Osten. Dort fungieren Caroline Dopfer und Stephan Handtmann als unabhängige Vertrauenspersonen. "Der TSV Trudering verfolgt seit mehreren Jahren ein umfassendes und verbindliches Präventionskonzept, das fest im Vereinsalltag verankert ist", erklärt Dopfer. "Ziel ist es, ein sicheres Umfeld für alle Mitglieder – insbesondere Kinder und Jugendliche – zu gewährleisten."
Konkrete Schutzmaßnahmen des TSV Trudering
Bei ihrem Verein werden unter anderem folgende Maßnahmen umgesetzt:
- Verpflichtendes erweitertes Führungszeugnis für alle Trainerinnen und Trainer
- Diese Regelung gilt unabhängig vom Einsatzbereich
- Ohne gültigen Nachweis ist keine Trainertätigkeit möglich
- Auch ehrenamtlich tätige Mitglieder müssen das erweiterte Führungszeugnis vorlegen
Dopfer betont: "Eine erhöhte Sensibilität für das Thema ist entstanden. Konkrete Fälle sind uns aus dem Vereinskontext nicht bekannt. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass es im Bereich sexualisierter Gewalt eine hohe Dunkelziffer gibt." Die installierten Vertrauenspersonen bieten Mitgliedern eine niedrigschwellige und vertrauliche Anlaufstelle.
Weitere aktuelle Missbrauchsfälle in Sportvereinen
Derzeit sitzt ein ehemaliger Jugendtrainer eines Vereins aus dem Münchner Umland in Untersuchungshaft, wie Juliane Grotz, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft München I, bestätigte. Die mutmaßlichen Geschädigten waren zu den jeweiligen Tatzeitpunkten zehn beziehungsweise zwölf Jahre alt. Ein Tatort soll in Köln gewesen sein, ein anderer im Münchner Umland.
Ein weiteres gravierendes Beispiel: Im März 2024 wurde ein Trainer aus dem Münchner Umland wegen sexueller Gewalt in über 600 Fällen vom Landgericht zu sieben Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Der 48-jährige Mann hatte jugendliche Fußballspieler missbraucht und dabei seine Machtposition ausgenutzt.
Reaktion des TSV 1860 auf das Urteil
Das Amtsgericht hatte in seinem Urteil festgestellt, dass der Ex-Leichtathletik-Trainer des TSV 1860 seine Machtposition ausgenutzt habe. Zur Erklärung der Bewährungsstrafe verwies das Gericht auf das Geständnis des Angeklagten, das den Opfern eine Aussage vor Gericht erspart habe, sowie auf den langen Zeitraum seit den Taten.
Das Präsidium des TSV 1860 erklärt: "Im Rahmen einer Zusammenarbeit mit der Leichtathletikabteilung war der Täter zeitweise auch als Jugendtrainer in unserem Verein tätig. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe wurde der Trainer durch unseren Verein umgehend entlassen und die Zusammenarbeit beendet."
Sofortmaßnahmen und Präventionsstrategien
Der TSV 1860 hat nach Bekanntwerden der aktuellen Berichterstattung umgehend reagiert:
- Erteilung eines Zugangsverbots für den Täter zu sämtlichen Vereinsanlagen
- Kontaktaufnahme mit spezialisierten Fachberatungsstellen für sexualisierte Gewalt
- Überprüfung und Analyse der bestehenden Vereinsstrukturen
- Abstimmung mit der Bayerischen Sportjugend im BLSV hinsichtlich weiterer Präventionsmaßnahmen
"Der Schutz von Kindern und Jugendlichen hat für den TSV München von 1860 e.V. oberste Priorität", betont der Verein. Alle Abteilungen verpflichten sich zur Einhaltung der Kinderschutzrichtlinien der jeweiligen Fachverbände, einschließlich der verpflichtenden Vorlage erweiterter Führungszeugnisse.
Hilfsangebote für Betroffene
Für Betroffene und Angehörige empfiehlt der TSV 1860 spezialisierte Beratungsstellen:
- KIBS – Kontakt-, Informations- und Beratungsstelle für Jungen und junge Männer bei sexualisierter und/oder häuslicher Gewalt
- IMMA e.V. Beratungsstelle für Mädchen und junge Frauen
Der TSV Trudering zeigt mit seinem Präventionskonzept, dass Vereine durch klare Strukturen, verpflichtende Maßnahmen und niedrigschwellige Anlaufstellen einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Kindern und Jugendlichen leisten können. Diese Ansätze könnten als Vorbild für andere Sportvereine dienen, die ihre Schutzmaßnahmen verbessern wollen.



