Amnesty International schlägt Alarm: WM unter Trump birgt erhebliche Menschenrechtsrisiken
Die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko wird nach Einschätzung von Amnesty International von massiven Menschenrechtsproblemen überschattet. Maja Liebing, Referentin für die Region Amerikas bei der renommierten Menschenrechtsorganisation, warnt im Gespräch mit dem Tagesspiegel vor unmittelbaren Auswirkungen auf Fans, Spieler und Journalisten. „Es wird sicherlich schwieriger, diese Probleme auszublenden“, betont die Expertin mit Nachdruck.
ICE-Razzien und verstärkte Kontrollen bei der Einreise
Besorgniserregend sind insbesondere die Pläne der US-Behörden. „Fest geplant ist, dass die umstrittene Einwanderungsbehörde ICE eine wichtige Rolle spielen wird“, erklärt Liebing. Konkret bedeutet dies: Die Organisation hat keine Zusicherungen weder von den US-Behörden noch von der FIFA erhalten, dass es während des Turniers nicht zu Razzien kommen wird. Für deutsche Fans könnten bereits bei der Einreise verstärkte Kontrollen drohen, bei denen beispielsweise Social-Media-Aktivitäten auf Antiamerikanismus überprüft werden.
Besonders prekär ist die Situation für Transmenschen, da Transidentitäten in den USA nicht anerkannt werden. „Schwierig wird es zudem für Transmenschen, weil Transidentitäten nicht anerkannt werden“, warnt die Menschenrechtlerin eindringlich.
Trump will Kontrolle – FIFA und DFB in der Pflicht
Die Gefahr liegt nach Ansicht von Amnesty darin, dass US-Präsident Donald Trump das Turnier kontrollieren und mögliche Proteste unterdrücken könnte. „Darin liegt die Gefahr: dass er es kontrollieren will und gerade deswegen auf Repression setzt, damit keine Proteste das Bild stören“, analysiert Liebing. Während Trump ein reibungsloses Turnier wünscht, fordert Amnesty eine WM ohne Angst und Ausgrenzung – eine Vorstellung, die laut der Expertin deutlich von Trumps Vision abweicht.
In der Verantwortung sieht die Organisation neben dem Weltverband FIFA insbesondere den Deutschen Fußball-Bund (DFB). „Bisher haben wir vom DFB aber noch nichts zur WM in den USA, Kanada und Mexiko gehört“, kritisiert Liebing. Im Gegensatz zur WM in Katar, wo der DFB 2022 ein Positionspapier zur Achtung der Menschenrechte veröffentlichte, fehle bisher jegliche Stellungnahme zur kommenden Weltmeisterschaft. Die Hoffnung liegt nun darauf, dass der DFB in den kommenden Wochen und Monaten verstärkt für den Schutz der Menschenrechte eintritt.
Spieler ohne primäre Verantwortung – Fokus auf Schutz der Besucher
Den Spielern selbst spricht Amnesty eine primäre Verantwortung ab. Stattdessen betont Liebing die Notwendigkeit eines umfassenden Schutzkonzepts: „Wichtig ist vor allem, sich für ein vernünftiges Schutzkonzept einzusetzen, das Besucher*innen aus Deutschland und aller Welt vor Razzien, Einwanderungsverboten und Diskriminierung schützt“. Die Debatte um die Co-Gastgeber USA und Präsident Trump wird die WM somit auch nach dem ersten Anstoß weiter belasten und erfordert dringendes Handeln aller beteiligten Institutionen.



