Sandwich-Spiel zwischen europäischen Höhenflügen: Bayerns Kontrastprogramm am Millerntor
Nach dem triumphalen 2:1-Auswärtssieg im Champions-League-Viertelfinale bei Real Madrid erwartet den FC Bayern am Samstagabend ein krasses Kontrastprogramm. Während das Rückspiel gegen die Königlichen am Mittwoch in der Allianz Arena bereits im Fokus steht, müssen die Münchner zuvor beim 1. FC St. Pauli in der Bundesliga antreten – ein Abstiegskandidat in völlig anderem Milieu.
Euphorie nach Madrid, aber Warnungen vor dem Rückspiel
Die Stimmung bei den Bayern war nach dem historischen Sieg im Bernabéu-Stadion ausgelassen. „Wir haben hier das erste Spiel seit 25 Jahren gewonnen“, begann Vorstandschef Jan-Christian Dreesen seine Rede vor Sponsoren und VIPs im Madrider Four-Seasons-Hotel. Doch Sportvorstand Max Eberl mahnte zur Vorsicht: „Dieser Triumph ist nur die erste Halbzeit.“
Matchwinner Manuel Neuer betonte ebenfalls: „Auf uns wartet noch ein hartes Stück Arbeit.“ Real-Coach Álvaro Arbeloa gab sich trotz der Niederlage kämpferisch: „Wenn eine Mannschaft in München gewinnen kann, dann ist es Real Madrid.“
Grauer Bundesliga-Alltag vor europäischem Festakt
Vor dem möglichen Einzug ins Champions-League-Halbfinale steht für Bayern jedoch zunächst der Auswärtsgang zum FC St. Pauli. Sämtliche drei Duelle seit dem Wiederaufstieg der Hamburger 2024 verliefen äußerst knapp:
- 1:0 für St. Pauli im November 2024
- 3:2- und 3:1-Siege für Bayern in Fröttmaning
Trainer Vincent Kompany muss und wird massiv rotieren, um seine Stars für das Real-Rückspiel zu schonen. Nur Joshua Kimmich, der bekanntlich immer spielen möchte, könnte erneut von Beginn an auf dem Platz stehen.
Historischer Torrekord in Reichweite
Bei etwas verbesserter Chancenverwertung winkt den Bayern am Millerntor ein historischer Meilenstein. Noch ein Treffer würde den 101. Saisontor bedeuten und damit den Rekord aus der Gerd-Müller-Ära (1971/72) egalisieren. Zwei Tore würden eine neue Bestmarke von 102 Treffern setzen.
Kompany könnte die Gelegenheit nutzen, um bei Offensivspielern für bessere Laune zu sorgen. Zwar trafen Luis Díaz und Harry Kane in Madrid, doch vergaben die Münchner zahlreiche Chancen auf einen höheren Sieg.
Umfangreiche Rotation erwartet
Folgende Spieler könnten gegen St. Pauli von Beginn an zum Einsatz kommen:
- Jamal Musiala (in Madrid nicht eingesetzt)
- Lennart Karl (Ersatzspieler in Spanien)
- Nicolas Jackson (ohne Einsatz im Bernabéu)
- Alphonso Davies (nur 20 Minuten in Madrid)
- Leon Goretzka (erst in der Nachspielzeit eingewechselt)
Die nimmermüden Díaz und Michael Olise könnten pausieren, ebenso wie der angeschlagene Torjäger Kane, der noch nicht zu 100 Prozent fit wirkt. Auch Tom Bischof, Hiroki Ito, Raphaël Guerreiro und Min-jae Kim sind Kandidaten für die Startelf.
Glauben an die eigenen Stärken
„Der Erfolg in Madrid zeigt, dass wir viel schaffen können“, hob Trainer Kompany hervor. „Diesen Glauben müssen wir nun mitnehmen in das nächste Spiel.“ Für die Überquerung der Ziellinie beim neuen Torrekord – aufm Kiez, in völlig anderer Atmosphäre als im europäischen Hochglanzfußball.
Das Sandwich-Spiel zwischen den Champions-League-Highlights wird somit zur Bewährungsprobe für Bayerns Rotationstiefe und mentalen Fokus. Während das Rückspiel gegen Real bereits im Hinterkopf lauert, gilt es am Millerntor, drei wichtige Punkte zu sichern und womöglich Fußballgeschichte zu schreiben.



