Radomir Antic: Der einzige Trainer, der Real, Barca und Atlético coachte
Radomir Antic: Einziger Trainer von Real, Barca und Atlético

Radomir Antic: Die einzigartige Trainer-Legende des spanischen Fußballs

Heute vor sechs Jahren, am 6. April 2020, verstarb Radomir Antic im Alter von 71 Jahren an einer Bauchspeicheldrüsenerkrankung. Der serbische Trainer bleibt bis heute die einzige Person, die alle drei spanischen Fußball-Giganten Real Madrid, FC Barcelona und Atlético Madrid trainiert hat – eine Errungenschaft, die in der Geschichte des spanischen Fußballs einzigartig dasteht und wahrscheinlich noch lange unerreicht bleiben wird.

Ein Trainer mit menschlicher Tiefe und taktischem Verstand

Radomir Antic, geboren am 22. November 1948 in Žitište, galt als typischer Vertreter der jugoslawischen Fußballschule. Doch er war weit mehr als nur ein harter Arbeiter und Disziplinär. Antic zeichnete sich durch innovative taktische Ansätze, großes fußballerisches Fachwissen und vor allem durch ein außergewöhnliches menschliches Gespür aus. Bei seinen Spielern war er außerordentlich beliebt und genoss hohen Respekt.

Sein früherer Atlético-Stürmer Kiko bezeichnete ihn nach seinem Tod als „einen großen Trainer und noch größeren Menschen“. Der ehemalige Barca-Torwart Victor Valdés fand „keine Worte für meinen Schmerz“, und Real-Legende Míchel sah in ihm gar „einen Vater“. Diese emotionalen Würdigungen unterstreichen die besondere Verbindung, die Antic zu seinen Spielern aufbaute.

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Vom vielseitigen Sportler zum Fußballprofi

Bevor Antic als Trainer Geschichte schrieb, hatte er bereits eine beachtliche Spielerkarriere hinter sich. In seiner Jugend versuchte er sich zunächst im Basketball, Boxen und Schach, bevor er schließlich im Fußball Fuß fasste. Als Spieler gewann er die jugoslawische Meisterschaft mit Partizan Belgrad und einen Liga-Titel in der Türkei mit Fenerbahçe.

Ein besonders prägendes Erlebnis war seine Zeit in England bei Luton Town, wo er unter Trainer David Pleat spielte. Pleats pragmatische Einstellung – „So lange die Tribünen voll sind, haben wir nicht das Recht, was zu ändern“ – beeinflusste Antics spätere Trainerphilosophie nachhaltig. Er übernahm ein kompaktes 4-4-2-System mit englischem Einschlag, das jedoch Raum für individuelle Künstler ließ und besonderen Fokus auf Standardsituationen legte.

Die Stationen bei Spaniens Top-Klubs

Real Madrid (1991-1992): Nach ersten Erfolgen beim spanischen Erstligisten Saragossa übernahm Antic 1991 bei Real Madrid die Nachfolge der Klub-Ikone Alfredo Di Stéfano. Er führte den im Mittelmaß versunkenen Klub zurück auf Platz drei der Liga. In der Folgesaison wurde er jedoch überraschend entlassen, obwohl Real zu diesem Zeitpunkt die Tabelle mit drei Punkten Vorsprung anführte. Als Gründe galten sein als zu unspektakulär empfundenes Spielsystem und eine als zu autoritär kritisierte Mannschaftsführung.

Atlético Madrid (1995-1998, 1999-2000): Hier gelang Antic sein größter Triumph. 1996 holte er mit Atlético das nationale Double aus Meisterschaft und Pokal – bis heute das einzige in der Klubgeschichte. Besonders bemerkenswert: Atlético hatte in den zwei Jahren vor Antics Ankunft unglaubliche zehn Trainer verbraucht, stand kurz vor der Pleite und war jeweils nur haarscharf dem Abstieg entronnen.

Ein Schlüssel zum Erfolg war die Verpflichtung des damals weitgehend unbekannten Milinko Pantić. Trotz anfänglicher Widerstände seitens des umstrittenen Eigentümers Jesús Gil y Gil setzte Antic den Transfer durch – und wurde belohnt. Unglaubliche 49 Prozent aller Tore fielen in dieser Saison durch Standardsituationen, dank zahlreicher variantenreicher Einstudierungen und Pantićs überragender Qualitäten als Standardschütze.

Ein weiterer wichtiger Spieler in Antics Team war der junge Diego Simeone, dessen spätere Entwicklung zum Erfolgstrainer bei Atlético Antic mit besonderer Freude verfolgte: „Er hat als Trainer die gleichen Charakteristiken wie früher schon als Spieler“, sagte Antic 2016. „Er ist ein Kämpfer, immer vorbereitet und kann die Menschen mitreißen.“

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FC Barcelona (2003): Als Nachfolger des gescheiterten Louis van Gaal komplettierte Antic 2003 sein persönliches Triple der spanischen Giganten. Als Feuerwehrmann kam er im Februar und führte die Katalanen von Platz zwölf noch auf Rang sechs, was immerhin die Teilnahme am UEFA-Pokal sicherte. Im Sommer war das Kapitel Barcelona allerdings bereits wieder beendet.

Späte Jahre und Fußballleidenschaft bis zum Schluss

Nach seiner Zeit in Barcelona blieben die großen Erfolge aus, doch Antic erfüllte sich 2010 noch einen Traum als Trainer der serbischen Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika. Nach der Gruppenphase – trotz eines bemerkenswerten Sieges gegen Deutschland – war jedoch Schluss.

In seinen letzten Lebensjahren zog sich Antic zwar immer mehr zurück, doch seine Leidenschaft für den Fußball blieb ungebrochen. In seiner Wahlheimat Madrid verfolgte er das Geschehen intensiv vor dem Fernseher – meist in Badelatschen und kurzer Hose auf der Couch, mit mehreren Spielen gleichzeitig auf verschiedenen Geräten. „Ein Wochenende, an dem ich nicht zwanzig Spiele sehe, ist für mich ein verlorenes Wochenende“, pflegte er zu sagen.

Radomir Antic führte bis zuletzt ein Leben für den Fußball, dem er so viel gegeben hatte. Seine einzigartige Leistung, alle drei spanischen Fußball-Riesen trainiert zu haben, sichert ihm einen besonderen Platz in den Geschichtsbüchern des europäischen Fußballs.