Thüringer Entsiegelungsfonds nimmt Arbeit auf: Abriss von Hotel-Ruine als Startschuss
Für jede neu betonierte oder asphaltierte Fläche soll künftig eine alte versiegelte Fläche wieder der Natur zurückgegeben werden – dieses Prinzip steht im Mittelpunkt des neu geschaffenen Thüringer Entsiegelungsfonds. Den Auftakt bildet der Rückbau des baufälligen Waldhotels „Am Schloßpark“ im Schlosspark Altenstein bei Bad Liebenstein.
Startprojekt mit historischem Hintergrund
Das ehemalige Hotel, das seit Jahren leersteht und sich in einem katastrophalen Zustand befindet, wird ab September abgerissen. Umweltminister Tilo Kummer (BSW) betonte bei der Vorstellung des Projekts, dass der Abriss erst nach der Brutzeit der Vögel beginnen könne, um diese zu schützen. Die geschätzten Kosten belaufen sich auf etwa eine halbe Million Euro, wovon die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten als Eigentümerin des Parks 100.000 Euro übernimmt.
„Schloss und Park Altenstein ist ein Ensemble, das seinesgleichen sucht“, erklärte Stiftungsdirektorin Doris Fischer. Das verfallene Hotel stelle einen erheblichen Störfaktor für das historische Ensemble dar. Nach dem vollständigen Rückbau soll die Fläche renaturiert und damit wieder in einen natürlichen Zustand versetzt werden.
Funktionsweise des zehn Millionen Euro schweren Fonds
Der bei der Thüringer Landgesellschaft (ThLG) eingerichtete Fonds verfügt über ein Volumen von zehn Millionen Euro. „Perspektivisch soll mit dem Fonds ein dauerhafter Kompensationsflächen-Pool aufgebaut werden“, erläuterte Kathrin Weiß, Geschäftsführerin der Landesgesellschaft. Das bedeutet, dass bereits entsiegelte Flächen gesammelt und für künftige Ausgleichsmaßnahmen bereitgehalten werden.
Landkreise, Kommunen und andere öffentliche Einrichtungen in Thüringen können Vorschläge zur Entsiegelung vorrangig öffentlicher Flächen einreichen. Bei Bewilligung tragen die Flächeneigentümer einen Eigenanteil von bis zu 20 Prozent der Kosten. Umgekehrt haben Unternehmen, die für Bauvorhaben neue Flächen versiegeln müssen, die Möglichkeit, bereits entsiegelte Flächen aus dem Fonds als Kompensation anzurechnen.
Vorteile für Landwirtschaft und Umwelt
Umweltminister Kummer hob hervor, dass durch vermehrte Entsiegelung weniger landwirtschaftliche Nutzfläche für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen bei Neubauten beansprucht werde. Dies schone wertvolle Agrarflächen und fördere gleichzeitig die Biodiversität.
Die Problematik der Flächenversiegelung in Deutschland ist erheblich: Nach Angaben des Bundesumweltamtes sind derzeit etwa 45 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsflächen versiegelt. Die Folgen sind vielfältig:
- Reduzierte Wasserdurchlässigkeit des Bodens, was die Grundwasservorräte beeinträchtigt
- Erhöhtes Risiko für örtliche Überschwemmungen bei Starkregenereignissen
- Verlust natürlicher Lebensräume für Pflanzen und Tiere
- Verschlechterung des lokalen Mikroklimas
Nachhaltiger Kreislauf für Flächennutzung
Der Thüringer Entsiegelungsfonds etabliert einen innovativen Mechanismus: Unternehmen, die für ihre Bauvorhaben Flächen versiegeln müssen, zahlen Ausgleichszahlungen in den Fonds ein. Diese Mittel werden wiederum für neue Entsiegelungsprojekte verwendet, wodurch ein nachhaltiger Kreislauf entsteht. Damit wird erstmals in Thüringen ein systematischer Ansatz verfolgt, um dem fortschreitenden Flächenverbrauch entgegenzuwirken.
Das Pilotprojekt im Schlosspark Altenstein zeigt, wie historisch belastete Flächen durch gezielte Maßnahmen wieder in wertvolle Naturräume verwandelt werden können. In Zukunft sollen zahlreiche weitere Projekte in ganz Thüringen folgen, um das Gleichgewicht zwischen notwendiger Bebauung und dem Erhalt natürlicher Flächen zu wahren.



