Rehwild in Vorpommern: 71 Tiere auf zwei Kilometern gesichtet - Muffelwild verschwunden
71 Rehe in Vorpommern gesichtet - Muffelwild verschwunden

Rehwild in beeindruckender Dichte: 71 Tiere auf zwei Kilometern gesichtet

Eine Entdeckungstour durch das Anklamer Land in Vorpommern offenbarte kürzlich eine außergewöhnliche Wilddichte. Naturreporter Norbert Warmbier beobachtete im Raum Bugewitz bei Kalkstein einen gewaltigen Sprung von 26 Rehen, der kleinsten Schalenwildart Deutschlands. Doch das war erst der Anfang: Auf den angrenzenden Feldkulturen kamen weitere Gruppen hinzu, sodass insgesamt auf einer Strecke von etwa zwei Kilometern 71 Exemplare gezählt wurden.

Von Leopoldshagen bis Pasewalk: Rehwild dominiert die Landschaft

Weitere Beobachtungen in den Haffbruchwiesen zwischen Leopoldshagen und Mönkebude ergaben zusätzlich 16 Rehe. Ein Fotofreund aus Belling berichtete sogar von geschätzt rund hundert Stücken zwischen seinem Heimatdorf und Pasewalk. Diese Zahlen sind besonders bemerkenswert, da in derselben Region vor einigen Jahren bei Rotmilanhorst-Suchen im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Vorpommern-Greifswald eine Wolfshöhle am Rande der Ueckermünder Heide entdeckt wurde.

Das Verschwinden des Muffelwilds: Eine Folge der Wolfsansiedlung

Vor der besagten Wolfshöhle lagen zahlreiche Knochen von Reh- und Rotwild. Ein Jäger aus dem Ducherower Land bestätigte, dass seit dem Auftauchen des Wolfes nicht nur das Rehwild stark abgenommen hat, sondern zwischen Ducherow Heidberg und Kurtshagen auch das Muffelwild vollständig verschwunden ist. Noch einige Jahre nach der Wende konnten hier mehr als 60 Stücke dieser Wildschafe beobachtet werden, deren Vorfahren ursprünglich aus Vorderasien stammten.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Historisch gelangten die Tiere bereits in der Jungsteinzeit vor über 7.000 Jahren mit menschlicher Hilfe auf die Mittelmeerinseln Korsika und Sardinien, die als eigentliche Heimat des europäischen Muffelwilds gelten. In Deutschland wurde es erstmals 1902 im Eulengebirge eingebürgert. In Vorpommern-Greifswald existierten mehrere Populationen von Peenemünde bis Penkun, die heute allesamt dem Wolf zum Opfer gefallen sind.

Rehbestände trotzen der Wolfspräsenz

Trotz der natürlichen Feinde sind weiterhin gute Rehwildbestände zu verzeichnen, beispielsweise bei Pamitz und Karlsburg. Allerdings herrscht bei vielen Laien Verwirrung über die korrekte Bezeichnung: Rehe werden oft fälschlicherweise für die Weibchen des Rothirsches gehalten. Tatsächlich handelt es sich beim männlichen Pendant um den Rehbock mit seinem zierlichen Gehörn, während die weiblichen Tiere als Ricken bezeichnet werden.

Besonders im Herbst und Winter leben Ricken und Böcke in gemeinsamen Trupps, die in der Jägersprache als „Sprung“ bekannt sind. Im Gegensatz dazu leben Hirsche und ihre weiblichen Artgenossen meist in streng getrennten Rudeln und kommen nur zur Brunftzeit zusammen.

Biologische Einordnung und jagdliche Bedeutung

Das Rehwild gehört zur Ordnung der Paarhufer und wird innerhalb der Wiederkäuer zur Familie der Hirsche gezählt, genauer zur Unterfamilie der Trughirsche. Mit einem Gewicht von nur 18 bis 25 Kilogramm wirkt es vergleichsweise zierlich. Für Jäger, die das sogenannte grüne Abitur ablegen müssen, ist diese Klassifizierung selbstverständlich. Ihre verantwortungsvolle Wildhege trägt maßgeblich dazu bei, Wildschäden in Forst- und Landwirtschaft zu reduzieren.

In manchen Jahren erlegen Deutschlands Jäger bis zu 1,2 Millionen Stücke Rehwild. Für Naturliebhaber bieten geführte Wanderungen die Möglichkeit, die faszinierende Tierwelt Vorpommerns mit eigenen Augen zu erleben und dabei Stress abzubauen. Anmeldungen sind unter der Telefonnummer 015156074311 möglich.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration