Die private Rettungsaktion für den in der Ostsee gestrandeten Buckelwal ist abgeschlossen. Das Tier wurde am Samstagmorgen in der Nordsee freigelassen. Doch die erhofften Daten eines GPS-Senders, die den Weg des Wals verfolgen sollten, liegen weiterhin nicht vor. Dies sorgt für Kritik und Besorgnis bei Experten und Behörden.
Keine Senderdaten trotz Vereinbarung
Eva Klaußner-Ziebarth, Sprecherin des Umweltministeriums in Mecklenburg-Vorpommern, teilte mit, dass die Peildaten mehrfach angefordert, aber nicht übermittelt wurden. Auch Umweltminister Till Backhaus äußerte sich verärgert: „Was mich wirklich ärgert, ist ausdrücklich: Es war vereinbart, dass uns die Daten übermittelt werden, damit wir ihn auch begleiten können. (...) Uns sind bis heute keine Daten zur Verfügung gestellt worden.“ Zudem sei vereinbart gewesen, ein Videosystem auf der Barge zu installieren, damit Tierärzte den Wal überwachen könnten – auch das sei nicht erfolgt.
Constanze von der Meden, Rechtsanwältin der privaten Initiative, erklärte, dass vorerst keine Angaben zur Schwimmrichtung des Wals gemacht werden könnten. Konkrete Probleme blieben unklar.
Experten warnen vor Katastrophe
Walforscher Fabian Ritter bezeichnete das Fehlen der Daten als „Katastrophe“. „Wenn es nicht gelingt, den Wal mittels Daten des Senders zu verfolgen und sein Verhalten einzuschätzen, kann die gesamte Mission letztlich auch nicht als erfolgreich oder fehlgeschlagen bezeichnet werden.“
Die Initiative hatte am Vortag angegeben, einen Sender angebracht zu haben. Diese Information ließ sich jedoch nicht durch unabhängige Quellen verifizieren. Die Daten sollten nur dem Team und dem Umweltministerium zur Verfügung stehen.
Ungewisser Zustand des Wals
Nach der Freisetzung gab es keine Angaben zum Zustand des Tieres oder wie genau es von Bord gelangte. Während des Transports von der Ostsee in die Nordsee hatte es starken Wellengang gegeben, der Wal war im Lastkahn hin- und hergeschaukelt. Das Absperrnetz war bereits am Freitagnachmittag entfernt worden, doch das Tier blieb zunächst in der Barge.
Gegen 9.00 Uhr am Samstag war der Wal nicht mehr im Lastkahn. Der Konvoi befand sich etwa 70 Kilometer von Skagen entfernt im Skagerrak. Auf Drohnenbildern war zeitweise ein Wal im Wasser zu sehen, doch eine sichere Identifizierung war nicht möglich.
Kritik an der Rettungsaktion
Thilo Maack von Greenpeace kritisierte, dass der Wal in einer der meistbefahrenen Schiffsrouten Europas ausgesetzt wurde. „Wir können den Wunsch, dem Tier zu helfen, nachvollziehen, schätzen seine Überlebenschancen aber als minimal ein.“ Nur mit Trackingdaten lasse sich transparent machen, ob sich die Aktion gelohnt habe.
Der vier bis sechs Jahre alte Walbulle war Anfang März erstmals in der Ostsee gesichtet worden. In den rund 60 Tagen bis zum Transport lag er etwa zwei Drittel der Zeit in Flachwasserzonen, zuletzt vor der Insel Poel. Am Dienstag wurde er in einen Lastkahn bugsiert und Richtung Nordsee geschleppt.
Überlebenschancen ungewiss
Als gerettet gilt der Wal nach der Freisetzung nicht. Experten bezweifeln, ob er normal schwimmen und tauchen kann. Auch die Nahrungsaufnahme sei fraglich, da Netzteile in seinem Maul gefunden wurden. Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation betont: „Von einer Rettung kann man erst sprechen, wenn sich der Wal zurück im Nordatlantik befindet und dort langfristig überlebt.“
Das Deutsche Meeresmuseum warnte, dass das geschwächte Tier wieder gezielt zur Küste schwimmen könnte. In verschiedenen Regionen der Welt sei dokumentiert, dass Großwale bei Erschöpfung flache Küstengewässer aufsuchen.



