Spektakuläre Rettungsmission in der Ostsee: Reeder setzt alles auf eine Karte
Ein außergewöhnlicher Einsatz beschäftigt die Küstenregion Mecklenburg-Vorpommern: Der Reeder und Kapitän Martin Bocklage aus Altwarp hat seinen gesamten Fährbetrieb vorübergehend eingestellt, um einen gestrandeten Buckelwal zu retten. Der 42-jährige Unternehmer, der normalerweise mit seinem Unternehmen Fährverbindungen auf dem Stettiner Haff betreibt, ist mit seinem Schlepper Robin Hood nach Wismar geeilt, wo das mehr als zwölf Meter lange Meeressäuger seit Ende März in Schwierigkeiten steckt.
Ein Plan mit ungewissem Ausgang
Die Rettungsaktion, die Bocklage selbst als „Mission Hope“ bezeichnet, sieht vor, den Wal mittels spezieller Luftkissen anzuheben und auf ein zwischen Pontons gespanntes Netz zu hieven. Anschließend soll das Tier im Schritttempo in die Nordsee – möglicherweise sogar bis in den Atlantik – geschleppt werden. Für diese aufwendige Operation hat der erfahrene Kapitän rund 100 Tage eingeplant, eine Zeitspanne, die die Komplexität des Unterfangens unterstreicht.
Normalerweise transportiert Bocklages Crew mit der knapp 27 Meter langen und 900 PS starken Robin Hood Windmühlenteile und Last-Pontons durch die Gewässer Norddeutschlands. Bereits im Januar bewies das Schiff seine Zuverlässigkeit, als es den vor Kühlungsborn in Brand geratenen Tanker Annika sicher in den Rostocker Hafen schleppte.
Unternehmerische Opfer für den Tierschutz
Die Entscheidung, den regulären Fährbetrieb komplett einzustellen, ist für Familie Bocklage kein leichtes Opfer. Auf der Internetseite des Unternehmens wurde der Fährverkehr mit dem Kutter Lütt Matten bis zum 26. April „aufgrund der Wal-Rettung“ als geschlossen gemeldet. „Wir planen den Stillstand für unsere Fährverbindung erstmal eine Woche ein“, erklärte Christine Bocklage, die Ehefrau des Reeders.
Die Reederei mit Hauptsitz in Altwarp bat in einer offiziellen Mitteilung um Verständnis für diese Maßnahme: „Es ist für uns eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe, und wir bitten um Verständnis“. Für das Familienunternehmen kommt die Rettungsmission zu einem besonders schwierigen Zeitpunkt, da der Fährbetrieb auf dem Stettiner Haff zuletzt wegen wieder eingeführter polnischer Grenzkontrollen massive Einbußen verzeichnete – vor allem Radtouristen blieben im Spätsommer „fast komplett weg“.
Überraschende Wendung und anhaltende Bereitschaft
Die Rettungsaktion nahm am Montagmorgen eine unerwartete Wendung, als sich der Buckelwal – von den Helfern liebevoll Timmy getauft – überraschend selbst aus dem Schlick befreite. Gestiegener Wasserstand und starker Wind hatten dem Tier geholfen, sich zu lösen und durch die Wismarbucht zu schwimmen. Ob Martin Bocklages Einsatz damit vorzeitig beendet ist, blieb zunächst unklar.
Der Kapitän hält sich weiterhin in Bereitschaft, wie seine Frau gegen 10.30 Uhr mitteilte: „Mein Mann hat den Auftrag bekommen und ist vor Ort. Wir haben großen Respekt davor“. Über den weiteren Verlauf der Rettungsbemühungen wüssten beide selbst noch nicht Bescheid. Martin Bocklage selbst war zunächst nicht für Kommentare erreichbar – der Wal-Einsatz nahm ihn vollständig in Anspruch.
Breite Unterstützung aus der Bevölkerung
Die ungewöhnliche Rettungsmission stößt auf enorme öffentliche Resonanz. Auf der Facebook-Seite des Unternehmens sammelte die Ankündigung der Aktion innerhalb kürzester Zeit mehr als 360 „Gefällt-mir“-Angaben und 114 Kommentare – Werte, die die regulären Posts des Betriebs bei weitem übertreffen.
Unterstützung kommt aus verschiedenen Teilen Deutschlands und sogar aus Österreich. Der Fährmann-Kollege Thomas Voigtländer vom Schmalen Luzin in Feldberg wünschte: „Na dann gutes Gelingen und viel Erfolg“. Die Segelschule Altwarp zeigte sich optimistisch: „Martin kann da sehr gut unterstützen. Ob es klappt, hängt von vielen Faktoren ab, aber Martin und Crew schaffen das“.
Martin Bocklage selbst äußerte sich gegenüber der Bildzeitung enthusiastisch über seine neue Aufgabe: „Ich freue mich auf diese neue Herausforderung und warte, dass es endlich losgeht“. Dem Nachrichtenportal News 5 gegenüber betonte er die Einmaligkeit des Vorhabens: „Das ist etwas ganz Seltenes. Normalerweise schleppt man keine Wale ins Wasser“.
Auf seiner Facebook-Seite informierte „euer Käpt'n Lütt Matten“ die Community: „Wir drücken die Daumen, dass die Rettung ein gutes Ende nimmt. Wir bitten um Verständnis“. Die vielen Danksagungen und Glückwünsche, die bei der Reederei eingehen, zeigen, dass die „Mission Hope“ nicht nur ein unternehmerisches, sondern auch ein emotionales Projekt mit großer öffentlicher Anteilnahme geworden ist.



