Wenn der Spaziergang zur Gefahr wird: Bussard-Attacken auf Menschen
Ein friedlicher Spaziergang kann sich plötzlich in einen beängstigenden Moment verwandeln, wenn ein Greifvogel aus der Luft herabschießt und gezielt den Kopf anvisiert. Genau dieses Szenario erleben derzeit Menschen in Belgien, wo ein aggressiver Mäusebussard bereits mehr als 25 Personen attackiert haben soll. Die lokalen Behörden empfehlen als Schutzmaßnahme einen Regenschirm – doch kann dieser einfache Gegenstand tatsächlich wirksam helfen?
Warum greifen Mäusebussarde überhaupt Menschen an?
Für Martin Rümmler, Vogelexperte beim NABU, ist die Antwort eindeutig: Es geht ausschließlich um Schutz. „Dieses Verhalten ist vergleichsweise sehr selten“, betont Rümmler. Wenn es doch vorkommt, dann fast immer während der Brutzeit, in der die Tiere ihr Revier und ihre Jungen kompromisslos verteidigen.
Der Bussard wägt dabei sorgfältig ab, ob sich das Risiko eines Angriffs lohnt. Selbst deutlich größere Gegner schrecken ihn in dieser Phase nicht ab. „Sie sollen sich sogar mit Seeadlern anlegen“, erklärt der NABU-Experte. Wer dem Nest zu nahe kommt, wird pauschal als Bedrohung wahrgenommen – unabhängig davon, ob es sich um einen Menschen oder ein anderes Tier handelt.
Allerdings zeigen nicht alle Bussarde dieses aggressive Verhalten. „Auch bei Vögeln gibt es unterschiedliche Persönlichkeiten“, so Rümmler. Hormonelle Einflüsse spielen ebenfalls eine Rolle, wobei vor allem Männchen tendenziell häufiger angreifen. Besonders kritisch wird die Situation kurz bevor die Jungtiere das Nest verlassen. Dann steigt die Nervosität der Elternvögel und damit auch ihre Angriffslust signifikant an.
Warum finden Attacken oft in städtischen Gebieten statt?
Viele der dokumentierten Angriffe ereignen sich ausgerechnet dort, wo viele Menschen unterwegs sind – insbesondere in Parks und stadtnahen Waldgebieten.
Der Grund dafür ist simpel, wie Rümmler erläutert: „Dort überschneiden sich die Lebensräume von Mensch und Tier“. Städte bieten Greifvögeln mittlerweile ideale Bedingungen: mehr Nahrungsquellen, weniger natürliche Feinde und zahlreiche Nistmöglichkeiten. Doch genau diese Faktoren erhöhen gleichzeitig das Risiko von ungewollten Begegnungen und potenziellen Konflikten.
Wie sollte man sich bei einem Bussard-Angriff verhalten?
Kommt es zu einer Begegnung mit einem aggressiven Bussard, gilt vor allem: Abstand halten und Ruhe bewahren.
Experten raten dazu, betroffene Gebiete vorübergehend zu meiden. Auch deutlich sichtbare Warnschilder können helfen, Gefahrenzonen frühzeitig zu erkennen. Wichtig ist, auf keinen Fall zu versuchen, das Tier aktiv zu vertreiben oder zu verfolgen. Viele Angriffe sind ohnehin nur Scheinattacken. „Oft kommt es zu keinem direkten Kontakt“, beruhigt Rümmler. Trotzdem können diese Angriffsversuche für Betroffene äußerst beängstigend sein.
Kann ein Regenschirm wirklich Schutz bieten?
Der Tipp der belgischen Behörden mag kurios klingen, ist aber durchaus sinnvoll: ein Regenschirm als Schutzinstrument. „Ein aufgespannter Regenschirm bietet Schutz vor direktem Kontakt“, erklärt Rümmler. Gleichzeitig wirkt die ungewohnte Silhouette abschreckend auf die Vögel. Selbst geschlossen über dem Kopf getragen, kann ein Regenschirm bereits helfen.
Bussarde greifen in der Regel den höchsten Punkt ihres vermeintlichen Gegners an. Bei Menschen ist dies naturgemäß der Kopf. Dementsprechend kann auch ein fester Hut Verletzungen wirksam verhindern oder zumindest deutlich mildern.
Die Kombination aus ruhigem Verhalten, dem Meiden von Nestnähe und dem Einsatz einfacher Schutzgegenstände wie Regenschirm oder Hut stellt somit die effektivste Strategie dar, um unangenehme Begegnungen mit verteidigungsbereiten Mäusebussarden während der sensiblen Brutzeit zu vermeiden.



