Gestrandeter Buckelwal in der Ostsee: Entscheidende Rettungsaktion steht bevor
Seit 18 Tagen liegt ein tonnenschwerer Buckelwal in der Bucht vor der Insel Poel in der Ostsee fest. Eine private Rettungsinitiative setzt nun alles daran, das geschwächte Tier mit einer komplexen Bergungsoperation zu befreien. Der entscheidende Rettungsversuch soll frühestens am Samstag starten, nachdem sich die Vorbereitungen verzögert haben.
Ruhe vor dem Sturm: Letzte Vorbereitungen laufen
Am Freitagabend herrschte relative Ruhe um den gestrandeten Meeressäuger. Das Tier lag weitgehend bewegungslos im Wasser der Kirchsee in der Wismarer Bucht. Tagsüber hatten Helfer in Schutzanzügen durch bauchtiefes Wasser gewatet, während andere den Körper des Wals kontinuierlich mit nassen Tüchern befeuchteten, um seine Haut vor dem Austrocknen zu schützen. Gelegentlich landeten sogar Möwen auf dem riesigen Säugetier.
„Wir bringen alles auf Position, dass alles abendfest gemacht wird, und dann geht's morgen früh weiter“, erklärte Fred Babbel, Chef des von der privaten Initiative beauftragten Tauchunternehmens. Am Freitag hatten die Helfer mit Probespülungen begonnen, um den Schlick unter dem Wal wegzuspülen – eine notwendige Voraussetzung für die geplante Rettungsaktion.
Komplexer Rettungsplan mit Schwimmplattform und Plane
Der Rettungsplan sieht vor, den Wal auf einer speziellen Plane zwischen zwei Pontons zu transportieren. Dazu muss das Tier zunächst mit Luftkissen angehoben werden, was wiederum das Wegspülen des umgebenden Schlicks erfordert. Eine große Palette mit der Transportplane wurde bereits in den Hafen von Kirchdorf gebracht, und ein Schwimmbagger hat Position in der Nähe des Wals bezogen.
Die Pontons sollen so angeordnet werden, dass innen eine Freifläche von sechs mal zwölf Metern entsteht. „Da drin wird der Wal sich dann ja aufhalten“, so Babbel weiter. Ein Schlepper soll die Konstruktion anschließend an einer langen Leine in Richtung Nordsee ziehen.
Verzögerungen und optimistische Stimmen
Die Rettungsaktion hat sich bereits um einen Tag verzögert. „Wir sind einen Tag hinten dran“, räumte Mediamarkt-Gründer Walter Gunz ein, der die Aktion gemeinsam mit Unternehmerin Karin Walter-Mommert finanziert. Ursprünglich war geplant, den Wal bereits am Donnerstag freizuspülen, damit er am Freitag seine Reise in den Atlantik antreten könnte.
Trotz der Verzögerung zeigt sich das Rettungsteam optimistisch. Janine Bahr-van Gemmert, Tierärztin und Leiterin eines Robbenzentrums auf Föhr, betonte: „Wir versuchen im Sinne des Tieres, ohne Stress dieses Tier aus dieser misslichen Lage zu befreien.“ Sie wertete heftige Bewegungen des Wals am Morgen – bei denen er kräftig mit der Schwanzflosse schlug und sich fast um 90 Grad drehte – als positives Zeichen: „Das sei ein Zeichen, dass er keine großen Verletzungen habe.“
Expertenmeinungen und öffentliches Interesse
Wissenschaftler, Behördenvertreter und Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen hatten zuvor nach umfassender Prüfung erklärt, der Wal benötige Ruhe und weitere Eingriffe könnten dem bereits geschwächten Tier massive Schäden zufügen. Sie gingen davon aus, dass der orientierungslose Buckelwal die Heimreise in den Atlantik nicht überstehen würde.
Die Rettungsvorbereitungen lockten zahlreiche Schaulustige und Medienvertreter an den Hafen von Kirchdorf. Rund 30 Neugierige verfolgten zeitweise die Arbeiten, bei denen Helfer eine große Arbeitsplattform mit Schläuchen, Pumpen, einem mobilen Kran und mehreren Schwimmpontons vorbereiteten. Auch Mitarbeiter des Umweltministeriums und des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) waren mit einem Polizeischlauchboot vor Ort.
Umweltminister Till Backhaus (SPD) hatte die private Initiative am Mittwoch bekannt gegeben. Nun bleibt abzuwarten, ob der ambitionierte Rettungsversuch am Samstag tatsächlich starten kann und ob der geschwächte Wal die strapaziöse Prozedur überstehen wird.



