Stürmische Rettung vor Poel: Buckelwal kämpft weiter gegen Sandbänke und Bürokratie
Seit Ende März hält ein etwa zwölf Meter langer Buckelwal die Region um die Ostsee-Insel Poel in Atem. Mehrfach strandete das Tier auf Sandbänken, verlor an Kraft und wurde zeitweise von Experten aufgegeben. Die Bilder des gestrandeten Meeressäugers lösten bundesweit eine Welle der Anteilnahme aus und entfachten eine hitzige Debatte über das richtige Vorgehen in solchen Fällen.
Beispiellose Rettungsaktion läuft auf Hochtouren
Seit nunmehr fünf Tagen läuft vor Poel eine bislang beispiellose Rettungsaktion. Ein Team aus privaten Helfern und Spezialfirmen versucht, den stark geschwächten Buckelwal zu befreien und in die offene See zu schleppen. Finanziert wird der aufwändige Plan von Mediamarkt-Gründer Walter Gunz und der Unternehmerin Karin Walter-Mommert. Trotz des Engagements gestaltet sich die Mission äußerst schwierig.
Der Wal wechselt immer wieder die Richtung, was Experten auf seine extreme Schwäche oder Desorientierung zurückführen. „Wir beobachten die Bewegungen mit fünf Booten. Das Tier wirkt ruhig und sieht gut aus, aber die Überlebenschancen stehen immer noch bei 50:50“, berichtet Sergio Bambaren, ein beteiligter Helfer und Wal-Experte, auf Instagram. Der Wal habe noch einen weiten Weg vor sich, um sicher in die Ostsee zu gelangen.
Bürokratie und kritische Stellen bremsen die Rettung
Nicht nur der Zustand des Wals, auch bürokratische Hürden erschweren die Rettung. Das Umweltministerium hat nach Angaben von Mitorganisatorin Karin Walter-Mommert noch kein finales „Go“ für alle geplanten Maßnahmen gegeben. „Es hat sich schon jetzt gelohnt, da der Wal noch einmal schwimmen durfte“, sagte sie dem NDR, betonte aber, dass die Situation für das Team sehr kräftezehrend sei.
Zudem warnen Experten vor kritischen Stellen in der Bucht. Ein Sprecher des Schweriner Umweltministeriums erklärte, dass der Ausgang des Kirchsees teils sehr flach sei. Der Wal müsse einen Bogen schwimmen, um das etwa zweieinhalb bis drei Meter tiefe Fahrwasser zu erreichen. Ansonsten sei die Bucht nur zwischen 90 Zentimeter und 1,10 Meter tief. Durch die anschließende Wismarbucht, die mindestens neun Meter tief ist, müsse der Wal schwimmen, um in die offene Ostsee zu gelangen.
Greenpeace kritisiert Stressbelastung für das Tier
Die Umweltorganisation Greenpeace übt scharfe Kritik an dem aktuellen Rettungsversuch. „Das ist natürlich ein Megastress für das Tier“, sagte ein Organisationssprecher. Der Wal habe die letzten Jahre ohne Kontakt zu Menschen verbracht und sei nun ständig Aktivitäten und Motorenlärm ausgesetzt. Das Tier müsse sich erst von den vergangenen strapaziösen Tagen erholen.
Aktuell liegt der Wal wieder auf einer Sandbank fest, nachdem er sich zuvor kurzzeitig befreien konnte. Helfer in Schlauchbooten versuchen, ihn ins tiefere Fahrwasser zu lotsen, doch der Wal macht immer wieder Pausen und ändert unvermittelt die Richtung. Die stürmischen Wetterbedingungen mit starkem Wind und hohen Wellen tragen zusätzlich zur Komplexität der Lage bei.
Die Rettungsaktion bleibt ein Wettlauf gegen die Zeit. Während die Helfer weiterhin Hoffnung haben, bleibt die Frage, ob der Buckelwal den Weg in die Sicherheit der offenen See noch schaffen kann.



