Klimaschutzprogramm der Regierung: Reichen 67 Maßnahmen für die Klimaziele 2030?
Klimaschutzprogramm: Reichen 67 Maßnahmen für 2030-Ziele?

Klimaschutzprogramm der Bundesregierung: Ambitionierte Pläne, aber reichen sie aus?

Die Bundesregierung hat in Berlin ein neues Klimaschutzprogramm verabschiedet, das mit 67 konkreten Maßnahmen die deutschen Klimaziele für das Jahr 2030 erreichen soll. Umweltminister Carsten Schneider (SPD) sprach nach langen Verhandlungen im Kabinett von einem "neuen Schub für den Klimaschutz", der Deutschland unabhängiger von teuren und unsicheren Öl- und Gasimporten machen werde. Das Programm sieht unter anderem den Ausbau von Windenergie, die Förderung von Mischwäldern und klimafreundlichere Kraftstoffe vor.

Gesetzliche Vorgaben und ambitionierte Ziele

Mit dem Programm erfüllt die Regierung eine gesetzliche Pflicht, die vorschreibt, spätestens ein Jahr nach Beginn der Legislaturperiode darzulegen, wie die nationalen Klimaziele erreicht werden sollen. Deutschland hat sich verpflichtet, seine Treibhausgasemissionen bis 2030 um 65 Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren. Bis 2045 soll das Land klimaneutral sein, also nicht mehr Treibhausgase ausstoßen, als wieder gespeichert werden können. Nach europäischen Vorgaben muss Deutschland seine Emissionen bis 2030 sogar um die Hälfte im Vergleich zu 2005 senken.

Aktuelle Lücke und geplante Einsparungen

Aktuell ist Deutschland jedoch nicht auf Kurs, um diese Ziele zu erreichen. Nach jüngsten Daten des Umweltbundesamts (UBA) steuert das Land auf eine Emissionsminderung von nur 62,6 Prozent statt der erforderlichen 65 Prozent zu. Diese Lücke entspricht etwa 30 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten. Die Bundesregierung stützt sich in ihrem Programm auf ältere Daten, die die Lücke bei 25 Millionen Tonnen CO2 ansiedeln. Mit den 67 Maßnahmen sollen im Jahr 2030 insgesamt 27,1 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich eingespart werden, was zu Einsparungen von knapp sieben Milliarden Kubikmetern Erdgas und rund vier Milliarden Litern Benzin führen soll.

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Wichtige Maßnahmen im Überblick

Die zentralen Punkte des Klimaschutzprogramms umfassen:

  • Ausbau der Windenergie: Durch zusätzliche Ausschreibungen sollen etwa 2.000 neue Windräder an Land entstehen, was eine zusätzliche Stromerzeugungskapazität von 12 Gigawatt (GW) und eine CO2-Einsparung von 6,5 Millionen Tonnen bringen soll.
  • Industrieprozesse: Mehr Industrieprozesse sollen von Erdgas auf Strom umgestellt werden, was 4,3 Millionen Tonnen CO2 einsparen soll.
  • Verkehrsbereich: Förderung von Elektroautos, Ausbau der Ladeinfrastruktur, das Deutschlandticket und Klimavorgaben für Kraftstoffanbieter sollen im Verkehrsbereich 9,5 Millionen Tonnen CO2 einsparen.
  • Gebäudeheizung: Ausbau des Fernwärmenetzes und Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien sowie von Abwärme in Wärmenetzen sollen 2,3 Millionen Tonnen CO2 reduzieren.
  • Landwirtschaft: Mehr Förderung für den Umstieg von Diesel- auf Elektromotor bei Landwirtschaftsmaschinen und andere Vorhaben in diesem Bereich sollen 0,5 Millionen Tonnen CO2 einsparen.
  • Waldumbau: Umbau von Monokulturen wie reinen Fichtenpflanzungen in widerstandsfähigere Mischwälder, Rückbau von Entwässerungsgräben im Wald und Förderung der Landwirtschaft in Mooren, die wichtige CO2-Speicher sind.

Kritik und Unsicherheiten

Experten bezweifeln jedoch, ob diese Maßnahmen ausreichen. Die Klimaschutzlücke könnte größer sein als in den UBA-Berechnungen angenommen, da diese den Stand vom November des Vorjahres abbilden und jüngere Entwicklungen wie die energiepolitischen Auswirkungen des Iran-Kriegs, das neue Heizungsgesetz und Pläne zu Förderkürzungen für Solaranlagen nicht berücksichtigen. Umweltminister Schneider räumte ein, dass weitere Fortschritte nötig und möglich seien, betonte aber die Bedeutung des Programms.

Die Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) lobte zwar sinnvolle Ansätze, kritisierte jedoch, dass die angekündigten Emissionseinsparungen zu optimistisch gerechnet seien und erhebliche Unsicherheiten aufwiesen. Sie bemängelte, dass das Programm stark auf Förderprogramme und freiwillige Effekte setze und im Verkehrsbereich einfache, sofort wirksame Maßnahmen wie ein Tempolimit oder ein attraktiveres Deutschlandticket fehlten.

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Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge nannte das Programm sogar "eine dreiste Täuschung" und warf vor, dass Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) parallel daran arbeite, den Klimaschutz zu untergraben. Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace übten ebenfalls Druck auf die Regierung aus und machten mit Aktionen vor dem Kanzleramt auf die Dringlichkeit des Themas aufmerksam.

Insgesamt bleibt die Frage offen, ob die 67 Maßnahmen der Bundesregierung ausreichen, um die Klimaziele für 2030 tatsächlich zu erreichen, oder ob weitere, ambitioniertere Schritte notwendig sind.