Bayerns Brauer-Chef fordert: Tragl Bier soll 25 Euro kosten
Bayerns Brauer-Chef: Tragl Bier für 25 Euro

Georg Schneider (60), Chef der Schneider Weisse Brauerei aus Kelheim, hat zehn Jahre lang den Bayerischen Brauerbund geführt. Im Mai gibt er sein Ehrenamt ab. Im Interview mit der AZ spricht er über steigende Bierpreise, den Dry January und seine neue Aufgabe im Allgäu.

Abschied nach zehn Jahren

Eigentlich sollte schon im vergangenen Jahr ein neuer Präsident gewählt werden, doch der designierte Nachfolger Christoph Kämpf verstarb überraschend. Daher verlängerte Schneider sein Amt um ein Jahr. Nun beginnt ein neuer Lebensabschnitt: Er wird mit seiner Frau das Hotel Post in Nesselwang im Allgäu führen. „Ich bin der Hausl“, sagt Schneider lachend. Das Hotel mit 20 Zimmern stammt aus dem Besitz seiner Frau.

Krisen prägten die Amtszeit

Auf die vergangenen zehn Jahre blickt Schneider gemischt zurück. „Es war eine emotionale Achterbahnfahrt“, sagt er. Gleich zu Beginn überschattete das Attentat am Olympia-Einkaufszentrum die Feierlichkeiten zum 500. Jubiläum des Reinheitsgebots. Später folgten Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg und Energiekrise. Trotz allem ist er optimistisch: „Bier ist ein fröhliches Produkt, das die Menschen zusammenbringt.“

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Bierpreis: 25 Euro pro Kiste gefordert

Schneider fordert seit langem höhere Bierpreise. „Bei einem mittelständischen Unternehmen müsste die Kiste Bier mindestens 25 Euro kosten“, sagt er. Derzeit sei der Preis oft zu niedrig, um die tatsächlichen Kosten zu decken. Der Wettbewerb in Bayern mit knapp 600 Brauereien verhindere jedoch eine Preiserhöhung. „Es gibt Anbieter mit einer Kiste für fünf Euro – das geht nur über Menge und billige Rohstoffe.“

Zukunft der Brauereien

Auf die Frage, wie viele Brauereien es in zehn Jahren geben wird, antwortet Schneider: „Braustätten mit Sicherheit weniger.“ Er setzt auf mehr Kooperation, etwa bei Abfüllanlagen oder Fuhrparks, um die lokale Bierkultur zu erhalten.

Dry January und Wiesn-Eintritt

Kritik übt Schneider am „Dry January“, den die bayerische Gesundheitsministerin Judith Gerlach bewarb. „Wir haben eine Fastenzeit, wir brauchen keinen amerikanischen Begriff“, sagt er. Auch seine Forderung nach einem Eintrittspreis für das Oktoberfest verteidigt er. „Viele Kosten werden übers Bier kalkuliert. Wenn der Bierkonsum zurückgeht, muss man umdenken.“

Übernahme von Weltenburger und Bischofshof

Schneider Weisse hat die Markenrechte der Klosterbrauerei Weltenburg und der Brauerei Bischofshof übernommen. „Wir wollten verhindern, dass ein ausländischer Großkonzern einsteigt“, erklärt Schneider. Bei Weltenburg bleibe alles beim Alten, der Braumeister werde übernommen. Bischofshof soll als lokale Marke für Regensburg erhalten bleiben.

Abschied und Ausblick

Trotz aller Herausforderungen blickt Schneider zuversichtlich in die Zukunft: „Bier ist etwas Fantastisches, damit werden wir auch in die Zukunft gehen.“ Er selbst wird sich nun ganz dem Hotel widmen – und vielleicht dem ein oder anderen Biergenuss im Allgäu.

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