EZB-Präsidentin Lagarde warnt vor erheblichen Inflationsgefahren durch Iran-Krieg
Kurz vor dem nächsten Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank hat Präsidentin Christine Lagarde eindringlich vor den wirtschaftlichen Folgen des Nahost-Konflikts gewarnt. Bei einer Veranstaltung des Internationalen Währungsfonds in Washington betonte sie, dass der Krieg im Iran die Inflation im Euroraum kurzfristig erheblich nach oben treiben werde.
Energiepreise als Haupttreiber der Inflation
„Der Konflikt wird sich kurzfristig durch höhere Energiepreise erheblich auf die Inflation auswirken“, erklärte Lagarde. Die mittelfristigen Auswirkungen seien dabei stark von der Intensität und Dauer des Krieges abhängig. Bereits jetzt zeige sich ein deutlicher Effekt: Die Verbraucherpreise in der Eurozone stiegen im März um 2,6 Prozent im Jahresvergleich – der stärkste Anstieg seit Juli 2024.
Damit liegt die Teuerungsrate deutlich über dem Inflationsziel der EZB von zwei Prozent. Noch im Februar hatte die Inflation bei moderaten 1,9 Prozent gelegen. Der plötzliche Ölpreisschock durch den Iran-Krieg hat diese Entwicklung maßgeblich beschleunigt.
Konjunkturaussichten trüben sich ein
Neben den Inflationsgefahren betonte Lagarde auch die negativen Auswirkungen auf die Konjunktur. „Die Risiken für die Wachstumsaussichten sind vor allem kurzfristig eher nach unten gerichtet“, warnte die EZB-Präsidentin. Der Krieg im Nahen Osten verschärfe die wirtschaftliche Unsicherheit und belaste die Aussichten für das Wirtschaftswachstum im Euroraum.
Die Europäische Zentralbank beobachte die Lage aufmerksam, versicherte Lagarde. Allerdings wolle sich die Notenbank nicht im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad festlegen. Die nächste Zinsentscheidung steht für den 30. April an.
Finanzmärkte erwarten Zinsanhebungen
An den Finanzmärkten ist die Erwartung gestiegen, dass die EZB im Laufe des Jahres die Leitzinsen erhöhen wird. Diese liegen derzeit unverändert bei 2,0 Prozent. Lagarde hat deutlich gemacht, dass die Europäische Zentralbank bereit wäre, notfalls zu handeln, um die Preisstabilität im Euroraum zu gewährleisten.
Die Kombination aus steigenden Energiepreisen, erhöhter Inflation und getrübten Konjunkturaussichten stellt die Geldpolitiker vor eine komplexe Herausforderung. Sie müssen zwischen der Bekämpfung der Inflation und der Unterstützung des Wirtschaftswachstums abwägen – eine schwierige Balance in unsicheren geopolitischen Zeiten.



