Hannover Messe 2026: Merz eröffnet Industrieschau mit Aufruf zur Zuversicht
Die weltweit bedeutendste Industrieschau, die Hannover Messe, hat ihre Tore für das Jahr 2026 geöffnet. Bundeskanzler Friedrich Merz eröffnete die Veranstaltung mit einem deutlichen Appell an die Zukunftszuversicht der deutschen Industrie. „Wir eröffnen die Hannover Messe 2026 als Tage der Zukunft, als Tage der Zukunftszuversicht“, betonte der CDU-Politiker in seiner Ansprache. Er unterstrich, dass es darum gehe, nach vorn zu schauen und zu demonstrieren, „was wir können“. Merz fügte hinzu: „Zuversicht, das ist der Geist, in dem wir uns einig wissen, gerade auch mit Brasilien.“
Brasilien als strategischer Partner im Fokus
Das diesjährige Partnerland Brasilien stand im Mittelpunkt der Eröffnungsfeierlichkeiten. Merz bezeichnete Brasilien als einen der wichtigsten Partner Deutschlands in einer sich neu ordnenden Welt. Beide Nationen teilen laut Merz das Interesse an einer politischen Ordnung, in der Vereinbarungen verlässlich sind und globale Herausforderungen gemeinsam bewältigt werden können. Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva reiste nicht nur zur Messeeröffnung an, sondern auch für Regierungskonsultationen in Hannover.
Am Sonntagnachmittag wurde Lula vor dem Schloss Herrenhausen mit militärischen Ehren empfangen. An den Beratungen nehmen sieben Minister aus Brasilien und acht aus Deutschland teil. Ziel ist es, die Zusammenarbeit in Schlüsselbereichen wie Handel, Rohstoffe, Rüstung, Digitalisierung, Forschung und Klimaschutz zu intensivieren. Besondere Bedeutung kommt dabei dem Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten zu, das zum 1. Mai in Kraft treten soll.
Lula wirbt für erneuerbare Energien und Energiesicherheit
In seiner Eröffnungsrede hob Präsident Lula die Rolle Brasiliens im Bereich erneuerbarer Energien hervor. „Brasilien kann der Europäischen Union dabei helfen, die Energiekosten zu senken und ihre Industrie zu dekarbonisieren“, erklärte er. Brasilien verfügt über einen der saubersten Energiemixe weltweit, wobei 92 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen.
Lula betonte: „Der konsequente Weg bei den erneuerbaren Energien hat unsere Energiesicherheit gestärkt. Brasilien gehört zu den Ländern, die am wenigsten vom Wahnsinn des Krieges mit dem Iran betroffen sind. Wir leiden nicht unter dem Anstieg des Ölpreises, wie es andere Länder derzeit tun.“ Der Präsident eines erdölproduzierenden Landes appellierte: „Wir sind der Auffassung, dass es dringend notwendig ist, einen Weg zu finden, saubere Energieträger zu nutzen, wenn wir die Menschheit retten wollen.“
Merz kündigt Einberufung des Nationalen Sicherheitsrats an
Angesichts der anhaltenden Energiekrise kündigte Bundeskanzler Merz an, den Nationalen Sicherheitsrat „zeitnah“ einzuberufen. „Unser Ziel ist dabei klar: Die deutsche Wirtschaft und die Bürger müssen sich darauf verlassen können, dass die Versorgung mit zentralen Produkten wie etwa Diesel, Benzin, Flugbenzin gesichert bleibt“, sagte Merz. Derzeit sei die Lage zwar angespannt, aber die Versorgung gewährleistet. „Für den Fall, dass sich die Lage verschärfen sollte, sind wir auf Maßnahmen vorbereitet.“
Die schwarz-rote Bundesregierung hatte den Nationalen Sicherheitsrat im vergangenen Jahr ins Leben gerufen, um auf Krisen und Bedrohungen aller Art schnell und effektiv reagieren zu können. Neben Mitgliedern der Bundesregierung und Sicherheitsbehörden können auch Vertreter der Bundesländer zu seinen Sitzungen eingeladen werden.
Industrie fordert umfassende Reformen statt Flickschusterei
Während die Bundesregierung auf Versorgungssicherheit setzt, mahnt die Industrie deutlich mehr Tempo bei notwendigen Reformen an. Gunther Kegel, Präsident des Verbands der Elektro- und Digitalindustrie ZVEI, forderte in seiner Rede einen „großen Wurf“ statt „Flickschusterei“. Notwendig seien niedrigere Steuern, ein schlankerer Sozialstaat, weniger Bürokratie und mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt.
Gleichzeitig nahm Kegel auch die Unternehmen in die Pflicht. „Auch wir, die Unternehmen, stehen im Obligo, unsere Hausaufgaben zu machen“, betonte er. Innovation bleibe vorrangig Aufgabe der Wirtschaft. In eine ähnliche Richtung argumentierte Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay von den Grünen. Er forderte mehr Entschlossenheit bei der Umsetzung von Reformen: „Ich begrüße Ihren Reformwillen“, sagte Onay an Merz gerichtet. „Gleichzeitig appelliere ich an Ihre Entschlossenheit, die Dinge umzusetzen, die jetzt erforderlich sind für unser Land.“
Rüstungsbereich erstmals mit eigenem Themenschwerpunkt
Mehr als 3.000 Aussteller aus den Bereichen Maschinenbau, Elektro- und Digitalindustrie sowie der Energiewirtschaft präsentieren von Montag an auf dem Messegelände ihre Neuheiten. Merz und Lula wollen sich am Montag bei einem Rundgang einen Überblick verschaffen. Die Industrieverbände BDI, VDMA und ZVEI geben zum Auftakt ihre Einschätzungen zur aktuellen wirtschaftlichen Lage ab.
Hauptthema der Hannover Messe 2026 sind der Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Produktion, Automatisierung und Robotik. Erstmals mit einem eigenen Themenschwerpunkt vertreten ist der Bereich Rüstung. Rund 40 Unternehmen zeigen dort Lösungen für den schnellen Aufbau der Produktion von Rüstungsgütern. Neben Merz haben sich zahlreiche weitere Bundespolitiker angekündigt, darunter Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). Im Vorjahr 2025 besuchten 127.000 Gäste die weltweit führende Industrieschau.



