Drastischer Anstieg der E-Bike-Unfälle: Fast jeder zweite Rad-Tote 2025 auf Pedelec
Die Zahl der tödlichen Fahrradunfälle in Deutschland ist im Jahr 2025 erneut gestiegen. Laut dem Statistischen Bundesamt kamen 462 Radfahrer ums Leben – ein Plus von 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders alarmierend: Fast jeder zweite getötete Radfahrer saß auf einem E-Bike. Insgesamt war etwa jeder sechste Verkehrstote ein Fahrradfahrer.
E-Bikes als Risikofaktor
Seit 2015 ist die Zahl der getöteten Radfahrer um 20,6 Prozent gestiegen. Hauptgrund ist die zunehmende Nutzung von Pedelecs, umgangssprachlich E-Bikes genannt. Während 2015 nur 36 E-Bike-Fahrer tödlich verunglückten, waren es 2025 bereits 217. Besonders betroffen sind ältere Menschen: Mehr als 61 Prozent der getöteten Radfahrer waren Senioren ab 65 Jahren. Bei den E-Bike-Nutzern liegt dieser Anteil noch höher.
Infrastruktur hält nicht Schritt
Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung im Gesamtverband der Versicherer (GDV), sieht ein strukturelles Problem. „Wir haben seit vielen Jahren einen Fahrradboom und auch immer mehr Pedelecs auf den Straßen“, erklärt sie. Das sei grundsätzlich positiv. „Doch die Radinfrastruktur hat sich nicht wie nötig mitentwickelt. Und die schwereren Pedelecs mit einer stärkeren Beschleunigung sind schwieriger zu kontrollieren.“ Bei Älteren seien die Verletzungen nach einem Sturz meist schwerer.
Unfallursachen und Verantwortung
Die Statistik zeigt ein weiteres Muster: Bei zwei Dritteln aller Unfälle mit Verletzten war ein weiterer Verkehrsteilnehmer beteiligt. Bei Kollisionen mit Fußgängern trugen die Radfahrer in 58,1 Prozent der Fälle die Hauptschuld, bei Unfällen mit Autos in 25,3 Prozent. Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung bei der Björn Steiger Stiftung, mahnt: Radfahrer hätten einen Teil ihres Geschicks selbst in der Hand – etwa bei Aufmerksamkeit und Ablenkung. Handy-Nutzung sei auch auf dem Fahrrad weit verbreitet.
Forderungen nach getrennten Ampelschaltungen und mehr Training
Um die Unfallzahlen zu senken, fordern beide Experten Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur. Besonderer Brennpunkt sind unübersichtliche Kreuzungen. „Am besten wäre es, wenn es an Ampelkreuzungen ein getrenntes Grün für Fahrradfahrer und Kraftfahrzeuge gäbe“, sagt Zeidler. Wichtig seien zudem innerstädtisch gut ausgebaute Radwege mit Abstand zum parkenden Verkehr sowie separate Radwege an Landstraßen. Die Expertin empfiehlt: „Außerdem sprechen wir uns für ein Pedelec-Training gerade für Ältere aus und empfehlen dringend allen Radlerinnen und Radlern – ob mit oder ohne elektrischen Hilfsmotor – einen Helm zu tragen. Keine Helmpflicht, aber Einsicht aus Eigenverantwortung.“ Die Entwicklung bei Skifahrern zeige, dass das möglich sei. Nötig seien auch mehr Kontrollen gegen zu schnelle Autofahrer oder Falschparker. Doch Zeidler stellt auch klar: „Wir wissen aus Untersuchungen aber auch, dass Radfahrende selbst Regelbrüche begehen: Fahren auf Gehwegen oder in die falsche Fahrtrichtung sind typische Unfallursachen“.



