Systematischer Betrug bei Himalaya-Rettungsflügen aufgedeckt
In Nepal haben Ermittler ein weitverzweigtes Betrugssystem rund um Helikopter-Rettungen im Himalaya aufgedeckt. Sechs leitende Vertreter von Reiseveranstaltern und Bergrettungsdiensten wurden festgenommen. Der Vorwurf lautet, dass sie Versicherungen über Jahre hinweg mit fingierten oder unnötigen Rettungseinsätzen um eine zweistellige Millionensumme gebracht haben sollen.
Manipulierte Unterlagen und gefälschte Abrechnungen
Nach Angaben der Ermittler wurden systematisch Unterlagen manipuliert – darunter Passagierlisten, Arztrechnungen sowie medizinische Gutachten und Krankenhausberichte. Teilweise seien Flüge abgerechnet worden, die nie stattgefunden hätten. In einem dokumentierten Fall wurden vier Touristen am selben Tag mit ein und demselben Hubschrauber ausgeflogen, gegenüber den Versicherungen jedoch als vier separate Einsätze abgerechnet. Allein hier sollen mehr als 30.000 US-Dollar kassiert worden sein.
Die Ermittlungen konzentrieren sich aktuell auf Vorgänge aus den Jahren 2022 bis 2025. Der entstandene Schaden wird auf knapp 20 Millionen US-Dollar geschätzt, umgerechnet etwa 17 Millionen Euro. Insgesamt halten die Behörden rund 300 mit Versicherungen abgerechnete Rettungsflüge für manipuliert. Ende Januar wurden zunächst sechs Verdächtige festgenommen, Ende März folgten Anklagen gegen insgesamt 32 Beschuldigte. Die Polizei spricht von einem koordinierten Vorgehen mehrerer Unternehmen.
Touristen gezielt unter Druck gesetzt
Die Methoden gingen offenbar weit über einfache Abrechnungsmanipulationen hinaus. Bergführer sollen Wanderer gezielt verunsichert haben, um sie zu Rettungsflügen zu bewegen – selbst bei harmlosen Beschwerden. Teilweise wurden Medikamente zur Vorbeugung der Höhenkrankheit bewusst falsch eingesetzt, sodass Symptome durch die Nebenwirkungen sogar noch verstärkt worden seien.
In einem Fall soll Backpulver ins Essen gemischt worden sein, um Übelkeit hervorzurufen. Auch Berichte über drastischere Praktiken stehen im Raum: Bereits 2018 hatten Ermittler festgestellt, dass Touristen gezielt krank gemacht worden sein könnten – etwa durch verdorbene Lebensmittel oder sogar Abführmittel im Essen. Ziel sei gewesen, Helikoptertransporte zu provozieren und anschließend an Provisionen von Flugunternehmen und Krankenhäusern zu verdienen.
Zudem sollen einige Bergsteiger selbst in den Betrug eingebunden gewesen sein. Ihnen sei etwa vorgeschlagen worden, Symptome vorzutäuschen, um sich einen schnellen Rücktransport per Hubschrauber zu sichern.
Betrug mit langer Vorgeschichte
Die aktuelle Affäre ist kein Einzelfall. Schon 2018 hatte ein Untersuchungsausschuss einen umfangreichen Bericht vorgelegt, der ähnliche Praktiken belegte. Bereits damals wurde dokumentiert, dass einzelne Flüge mehrfach abgerechnet und Wanderer zu unnötigen Rettungseinsätzen gedrängt wurden – nach dem Prinzip: Die Versicherung übernimmt die Kosten.
Trotz gegenteiliger Beteuerungen der Regierung setzte sich der Betrug offenbar fort. Nach Einschätzung einer Spezialeinheit gegen Korruption lag das auch daran, dass die Strafverfolgung damals nicht konsequent genug war. Inzwischen hat sich die Situation offenbar sogar verschärft.
Tourismusbranche unter Druck
Der Skandal trifft Nepal in einem sensiblen Bereich: Der Tourismus rund um den Himalaya, insbesondere Expeditionen am Mount Everest, ist eine zentrale Einnahmequelle des Landes. Schon früher hatten internationale Versicherer mit Konsequenzen gedroht, sollte der Betrug nicht eingedämmt werden.
Nun wächst die Sorge, dass der aktuelle Fall das Vertrauen von Bergsteigern und Partnern nachhaltig beschädigen könnte. Die Ermittlungen stehen nach Angaben der Behörden noch am Anfang. Weitere Festnahmen gelten als wahrscheinlich. Die Behörden betonen, dass sie entschlossen sind, gegen die kriminellen Strukturen vorzugehen und die Integrität des Tourismussektors zu schützen.



