Ost-Motorsportlegenden treffen sich in der Uckermark: Hartmut Kunkel (74) hält Erinnerungen lebendig
Das dritte April-Wochenende begann für Renate und Hartmut Kunkel mit intensiver Vorbereitung. Das Rentnerpaar aus der Uckermark brachte ihre alte Schrauberwerkstatt neben dem Haus auf Vordermann, putzte und wienert wie verrückt. Autos und Motorräder wurden nach draußen gefahren, Tische und Stühle hineingeschleppt, während der Backofen der Gattin auf Hochtouren lief. Der Grund: Ein Treffen der Ostlegenden des Motorsports stand bevor.
Ein Stelldichein der Veteranen
In dem kleinen Dorf nahe Prenzlau versammelten sich auf Einladung von Hartmut Kunkel gegen Mittag fast alle, die vor der Wende Rang und Namen im Motorsport hatten. Der 74-Jährige hatte Namen wie Herbert Mussehl, DDR-Meister im Speedway, Heiko Koch, DDR-Juniorenmeister im Motocross, und Peter Wolf, zweifacher DDR-Meister im Motocross, angekündigt.
„Seit Jahren treffen wir uns hier regelmäßig zum Plaudern“, erklärt der Organisator. Seine Frau ergänzt: „Wir werden ja alle nicht jünger, manche gehen stramm auf die 80 zu. Da kann jedes Treffen das Letzte sein.“ Diese Bewusstheit prägte die Atmosphäre, denn bevor die Gespräche auf alte Storys, Technik und Neuentwicklungen kamen, wurde an verstorbene Weggefährten erinnert.
Von „verrückten Bengels“ zu Motorsportlegenden
Hartmut Kunkel erinnert sich an die Anfänge in den 1970er Jahren: „Wir begannen mit normalen Straßenmaschinen, von denen wir alles abgebaut hatten. Lampe weg, Verkleidung ab – wir waren erfindungsreich. Letztlich blieben nur Motor, Räder und Kotflügel übrig. Unsere Eltern schüttelten den Kopf – verrückte Bengels eben.“
Ein organisiertes Rennen auf dem alten Ring in Parmen mit über 500 Zuschauern ebnete den Weg. 1975 wurde der MC Fürstenwerder gegründet, unterstützt von LPG und Gemeinde. Kunkel fuhr bis 1989 Rennen, wurde achtmal Landesmeister und agierte später als Sportleiter. „Den DDR-Meister Peter Wolf aus Schwedt haben wir hier im Club mit aufgebaut“, berichtet er stolz.
Neuanfang nach der Wende und lebendige Tradition
Nach der Wiedervereinigung brach zunächst vieles zusammen, doch dank Vereinsgründung und privater Initiativen ging es weiter. Das Rennteam Kunkel, geleitet von seinem Bruder, ist noch immer eine feste Größe. Unzählige Urkunden und Pokale in seiner Schreibwerkstatt zeugen von Erfolgen über Jahrzehnte.
Für alle, die nicht bis zum nächsten Jahr warten wollen, bietet sich sonntags ab 9.30 Uhr der Stammtisch für Oldtimerfans und Motocross-Liebhaber bei den Kunkels an. Ein Kontakttelefon steht unter 0173 611 0659 zur Verfügung.



