Spaniens Osterprozessionen erleben Besucherrekord dank Iran-Kriegs-Umleitung
Spanien verzeichnet zu Ostern einen historischen Besucherrekord. Aufgrund des anhaltenden Iran-Krieges werden zahlreiche Touristen zu den traditionsreichen Osterprozessionen in Städte wie Sevilla, Córdoba oder Málaga umgeleitet. Während Pilgerreisen ins Heilige Land und Urlaube im Nahen Osten weitgehend abgesagt wurden, erlebt Spanien einen deutlichen Buchungsboom.
Tourismusministerium prognostiziert Rekordzahlen
Das spanische Tourismusministerium schätzt, dass die Zahl ausländischer Besucher bis Jahresende um 3,5 Prozent im Vergleich zu 2025 steigen könnte. Dies würde einen neuen Rekord von rund 100 Millionen Touristen bedeuten. Das Nachrichtenportal „20minutos“ berichtet, dass Reisende in das als sicher empfundene und weit vom Konflikt entfernte Land umgelenkt werden.
Hochburgen der Prozessionen im Süden besonders gefragt
Vor allem die Hochburgen der Osterprozessionen im Süden Spaniens, darunter Sevilla, Córdoba, Málaga und Granada, sind derzeit stark nachgefragt. Hunderttausende Einheimische und ausländische Touristen säumen die Straßen, um bei milden Temperaturen um die 20 Grad die prachtvollen Umzüge zu bewundern. Die Veranstaltungen versetzen das Land auch in diesem Jahr wieder in einen regelrechten Ausnahmezustand.
Die „Semana Santa“: Wichtiger als Weihnachten
Die sogenannte „Semana Santa“, die Heilige Woche, ist in dem katholischen Land von größerer Bedeutung als Weihnachten. Die Prozessionen sind nicht nur Ausdruck tiefer Religiosität, sondern auch ein opulentes und farbenfrohes Volksfest. In Andalusien schätzt man das Dramatische und Sinnliche dieser Traditionen. In Zeiten von Kriegen und globalen Krisen gelten sie zudem als Ausdruck von Gemeinschaft, die ein Gefühl der Sicherheit und Zusammenhalt vermittelt.
Schaurig-schönes Ambiente mit religiösen Theateraufführungen
Die Umzüge erinnern an religiöse Theateraufführungen, geprägt von Licht, Weihrauch und Klageliedern. Teilweise tonnenschwere Christus- und Marienfiguren werden durch die engen Straßen getragen. Mitglieder frommer Bruderschaften tragen traditionelle Gewänder und verhüllen sich mit spitzen Kapuzen. Ihre Gesichter sind oft bis auf zwei schmale Augenschlitze komplett bedeckt, was eine unheimliche und geheimnisvolle Atmosphäre schafft. Dieser Aspekt verleiht den Veranstaltungen einen besonderen Reiz und zieht Besucher aus aller Welt an.
Die Prozessionen in Sevilla, insbesondere in der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag, zählen zu den größten und weltweit bekanntesten. Bereits am Palmsonntag fanden zum Auftakt der Karwoche Umzüge in Palma de Mallorca und vielen weiteren Städten des Landes statt. Diese Traditionen festigen Spaniens Ruf als sicheres und kulturell reiches Reiseziel in unsicheren Zeiten.



